zurück zu den regulären Ausgaben von dbn.at
dbn - Du bist Nachrichten in Niederösterreich, Tirol, Vorarlberg, Burgenland und Oberösterreich
bauen, wohnen, sanieren, renovieren in Niederösterreich
Sanierung und Restaurierung Schloss Stetteldorf

Sanierung und Restaurierung Schloss Stetteldorf

Boden und Stiegentechnik Stamminger Muhr

Baumpflege Kreitl

Kunsttischlerei Nejdl

Holzbau Wanzenböck

Wurth GmbH der Wärmedämm- und Fassadenspezialist

Martin Schmeiser Bildhauer Steinmetzmeister

Dachdeckerei Schön Stockerau

 

Stetteldorf / Wagram, September 2011. - Graf Julius II. zu Hardegg ließ das Schloss 1588 erbauen, nachdem er 1582 die Herrschaft und den Markt Stetteldorf von der Familie Starhemberg erworben hatte. Baumeister war Andreas Piazoll. Bereits zuvor hatte er hier eine Schäferei, einen Schüttkasten und eine Mühle errichtet und mit dem Schloss schuf er sich einen standesgemäßen Wohnsitz, den er nach sich nannte.

Der Sobieskitrakt mit dem ehemaligen Turm erinnert an den 1683 im Schloss abgehaltenen Kriegsrat, bei dem der Polenkönig Jan Sobieski, Herzog Karl von Lothringen und deutsche Fürsten die Befreiung Wiens von den Türken planten.

Unter Johann Julius IV Graf Hardegg übernahm der Architekten Johann Jacob Castelli 1705 bis 1709 die barocke Umgestaltung der Anlage, die Johann Lukas von Hildebrandt beenden konnte. Von ihm stammt das mächtige Doppeltor durch den Wall. 1749 beschädigte ein Erdbeben das Schloss schwer, sodass in Folge der dreigeschossige, mit einer Welschen Haube barockisierte Turm des Schlosses abgetragen werden musste.

Sanierung und Restaurierung Schloss Stetteldorf

Der Bauzustand der Gesamtanlage bei der Übernahme durch Georg Stradiot war besorgniserregend. In mehreren Phasen konnten die Dachstühle und die Dachhaut saniert werden. Firmen der Umgebung haben mit großem Fachwissen die notwendigen Schritte umgesetzt und somit konnte ein Großteil der alten Substanz erhalten werden.

Als nächstes musste die statische Sanierung der zahlreichen gefährdeten Gebäudeteile durchgeführt werden. Mit einem in den Restaurier-Werkstätten Mauerbach entwickelten Verfahren konnten gefährdete Bauteile gesichert werden. Neue Materialien, Aramidstäbe und Kunstharzmörtel, lassen eine Vorspannung zu, ersetzen die bisher üblichen Stahlelemente und verbhindern Wärmedurchfluss und Kondensat. Außenliegende Verankerungselemente, wie Stahlplatten, sind nicht mehr notwendig.

Sanierung und Restaurierung Schloss Stetteldorf

Grundsätzlich konnte das ursprüngliche Niveau der umliegenden Freiräume nachgewiesen und durch Abtrag wieder hergestellt werden. Dabei wurde darauf geachtet, dass alle Oberflächenwässer vom Gebäude weggeleitet werden. Alle Außenmauern wurden gegen die aufsteigende Feuchtigkeit mit Drainagen versehen, wobei das Wasser in Sickerschächte oder Zisternen geführt wird. Zusätzlich unterstützt eine Bauteilaktivierung im Sockelbereich das Austrocknen des Mauerwerks.

Die Beheizung der beiden sanierten Gebäudebereiche erfolgt durch die im Ort befindliche Fernwärmeanlage (Nachteil – 3 Montage pro Jahr außer Betrieb).

Auf Wunsch des Eigentümers wurden im gesamten Haus mehrere Sicherheitssysteme eingebaut, die der isolierten Lage des Objekts einen weitestgehenden Schutz versprechen. Die zahlreichen Holzteile des Dachstuhls und der Deckenkonstruktionen sind mit Rauchmeldern gesichert. Die örtliche Feuerwehr ist mit der Anlage vertraut und in jährlichen Übungen wird das Wissen der Mannschaft aktualisiert.

An eigentlichen Restaurierungsarbeiten waren zahlreiche Interventionen notwendig: Spezialisierte Tischlereien konnten einen Teil der vorhandenen Fenster und Türen durch geeignete Maßnahmen in ihrem Bestand sichern. Der andere Teil musste durch formgleiche Konstruktionen mit neuen Hölzern ersetzt werden. Die Türen im Hauptgeschoß stammen alle aus der Barocken Umbauphase um 1706 und konnten durch einen Fachbetrieb restauriert werden. Hierbei konnten die historischen Oberflächen erhalten werden. Auch die zeitgleichen Schlösser und Beschläge dieser Türen wurden aufwändig saniert.

Die Firma Boden- und Stiegentechnik montierte in Absprache mit dem Denkmalamt, im Büro, Wohnzimmer und in der Bibliothek einen Unterboden mit Isolierung. Auf die Isolierung wurde eine Eichen-Breitdiele geschraubt.

Sanierung und Restaurierung Schloss Stetteldorf

Am Haupthaus und am Westtrakt sind weitgehend die originalen Putze von etwa 1600 in hervorragendem Zustand erhalten. In der barocken Umgestaltung wurde ein dünner Rieselputz darüber gezogen. Durch mangelnde Haftung ist dieser im Laufe der Zeit in großen Bereichen abgefallen. Bei der Sanierung der Fassaden konnte einerseits der Putz um 1600 in der klassischen Kalktechnik partiell ergänzt werden und andererseits konnten, dem Konzept Castellis folgend, an der Hoffassade des Haupttrakts die beiden unterschiedlichen Oberflächen – Mittelrisalit geglättet, Flankenseiten rau – wieder hergestellt werden.

Besondere Sorgfalt war bei der Restaurierung der Zierteile bei den Fensterbekrönungen und  bei den Stuckteilen unterhalb der Sohlbänke notwendig. Hier konnte festgestellt werden, dass die einzelnen Elemente von unterschiedlicher Ausführung waren und sie mehrmals mit ungeeigneten Materialien behandelt worden waren.

Einen zentralen Blickpunkt im Hof bildet die in mehreren unterschiedlichen Ausführungen überarbeitete, großflächige Sonnenuhr. Es musste gemeinsam mit den Restauratoren eine Präsentation der gut erhaltenen Bereiche erarbeitet werden. Heute erkennt man in der unteren Zone die qualitätsvolle Ausführung aus der Zeit um 1600, die eigentliche Zeitangabe aus dem 18.Jhdt. befindet sich oberhalb und weist eine merkwürde Stundeneinteilung auf.

Die zahlreichen Stuckdecken im Haupthaus wurden zur Verhinderung weiterer Verluste gesichert. Im Westtrakt sind die Arbeiten im Erdgeschoss durch eine sensible Freilegung und Ergänzung abgeschlossen, im Obergeschoss mit dem hervorragenden Prägestuck in der Formensprache der späten Renaissance, werden die Freilegungsarbeiten derzeit durchgeführt.

In der Kapelle arbeiten Restauratoren an der Sicherung der schwer geschädigten Ausstattung aus der 1.Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hier stellt sich die Frage der Präsentation der zarten, gemalten Architekturelemente auf einem sehr differenzierten Grund.

In einem Seminar das der Schlossherr gemeinsam mit dem beschäftigten Restaurator, mit dem Bundesdenkmalamt und der Universität für Angewandte Kunst (Klasse Prof. Krist) veranstaltet hat, konnten die schwierigen Fragen zur Restaurierung des Lehmstucks aus der 1. Bauphase behandelt werden. Dieser zeichnet sich durch eine außerordentliche Besonderheit aus. Er besteht aus anstehendem Lehm/Löss und Stroh und ist in einem speziellen Verfahren auf die Deckenschalung angetragen. In vielen Bereichen ist durch Feuchtigkeit dieser in Österreich einmalige Stuck abgefallen beziehungsweise schwer gefährdet. Fragen nach Methoden der Sicherung und Ergänzung waren weitgehend unbeantwortet und konnten im Rahmen des Seminars eingegrenzt werden.

Georg Stradiot plant für den Westtrakt Büros für den eigenen Bedarf, für das Haupthaus, falls eine öffentliche Widmung nicht abzusehen ist, einige attraktive Wohneinheiten einzurichten. Die Leitungsführungen sind für alle Fälle fix eingeplant, sodass jede Widmung umsetzbar sein wird.

 
Werbung / Fotos: zVg.
© 2008 - 2011 dbn - Du bist Nachrichten. Alle Rechte vorbehalten.