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Politik

28.10.2019

Umfrage: SPÖ fällt erstmals in ihrer Geschichte unter 20%

SPÖ fällt erstmals in ihrer Geschichte unter 20% SPÖ fällt erstmals in ihrer Geschichte unter 20%

Die Tageszeitung ÖSTERREICH veröffentlicht in ihrer Samstagsausgabe eine brandaktuelle Umfrage des Research Affairs Intituts (1.000 Befragte, 22. - 25. Oktober) - und die Ergebnisse haben es in sich. In der Sonntagsfrage bleibt die ÖVP mit 38% weiter klar auf Platz 1. Die SPÖ wird nach den internen Streitigkeiten der letzten Tage hingegen abgestraft: Erstmals in ihrer Geschichte fällt die SPÖ in einer Umfrage bei der Sonntagsfrage unter 20%. Nur 19% würden die SPÖ wählen, wenn an diesem Sonntag Nationalratswahlen wären (-1% gegenüber der Vorwoche). Die Grünen und die FPÖ liegen mit jeweils 1% gleichauf auf Platz 3. Die NEOS kommen auf 9% (+1%).

Research Affairs hat auch abgefragt, wie eine Nationalratswahl ausgehen würde, wenn die Liste Strache antreten würde. Eine Strache-Partei käme auf 3% und würde damit den Einzug in den Nationalrat verpassen. Die ÖVP käme in diesem Fall auf 37%, die FPÖ auf 14%.

Türkis-Grün ist mittlerweile die beliebteste Regierungsform der Österreicher: 29% sagen, dass sie sich eine Koalition aus ÖVP und Grünen wünschen. Nur mehr 25% sind für eine türkis-blaue Regierung (-3% gegenüber der Vorwoche). Eine große Koalition aus ÖVP und SPÖ wollen 17% (+4%). 8% sind für eine ÖVP-Minderheitsregierung.

Gleich 45% der Österreicher sind laut der ÖSTERREICH-Umfrage der Meinung, dass eine türkis-grüne Koalition sehr gut oder eher gut für Österreich wäre (15% sehr gut, 30% eher gut). 41% sehen eine türkis-grüne Koalition negativ (19% eher nicht gut, 22% sehr negativ). 14% sagen, dass Türkis-Grün noch zu unberechenbar für ein Urteil sei.

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30.07.2018

Gekürzte Mindestsicherung – Wirtschaftstreibende fordern Sozialministerin Hartinger-Klein zur „150-Euro-Challenge“

Wirtschaftstreibende fordern Sozialministerin Hartinger-Klein zur „150-Euro-Challenge“ Wirtschaftstreibende fordern Sozialministerin Hartinger-Klein zur „150-Euro-Challenge“

Eine Gruppe mittelständischer Wirtschaftstreibender fordert Sozialministerin Beate Hartinger-Klein zur „150-Euro-Challenge“ heraus. Die Wettbedingungen sind einfach: Schafft die Ministerin es, einen Monat lang ohne fremde Hilfe von 150 Euro zu leben, spenden die Wirtschaftstreibenden ein Ministerinnengehalt in Höhe von 17.511 Euro an eine karitative Organisation, die Hartinger-Klein aussucht. Die Ministerin muss im Rahmen der „150-Euro-Challenge“ alle Ausgaben des täglichen Lebens von diesen 150 Euro bestreiten – außer ihre Wohnkosten. Anlass für die Challenge ist ein Interview der Ministerin auf oe24.tv, in dem sie behauptet hatte, dass man als Bezieher der Mindestsicherung von 150 Euro leben kann: „Wenn man die Wohnung auch noch bekommt, dann sicher“, waren die Worte der Ministerin.

„Diese Äußerung hat uns – gelinde gesagt – erstaunt. 150 Euro ist wenig Geld. Immerhin geht es um Essen und Trinken für einen Monat. Ausgaben für Kleidung, private Fahrten, Kosmetik- und Hygieneartikel, Internet und Telefon kommen auch noch dazu. Ehrlich gesagt bezweifeln wir stark, dass die Ministerin tatsächlich weiß, wovon sie spricht“, so Stefan Sengl, einer der Initiatoren der „150-Euro-Challenge“. Man wolle die Politik der Ministerin und der Bundesregierung einem „Reality-Check“ unterziehen, so Sengl. Er sieht darin eine Win-Win-Situation: „Kommt die Ministerin mit 150 Euro aus, schaut dabei eine ansehnliche Spende für eine karitative Organisation ihrer Wahl heraus. Scheitert die Ministerin, überdenkt sie vielleicht die geplanten Einschnitte im Sozialsystem“, so Sengl.

Die Spendensumme von 17.511 Euro stellen die Wirtschaftstreibenden garantiert bereit. Privatpersonen, die die Initiative unterstützen wollen, können sich unter https://www.respekt.net/projekte-unterstuetzen/details/projekt/1656/ am Wetteinsatz für die „150-Euro-Challenge“ beteiligen. Die Herausforderung zur Challenge wurde heute, Sonntag, via E-Mail an die Ministerin übermittelt.

Neben PR-Berater Stefan Sengl beteiligen sich unter anderem auch der Wiener Wirt Daniel Landau, die Startup-Beraterin Maria Baumgartner und der Sonnenstudiobetreiber Hans Arsenovic an der Initiative.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn
24.07.2018

Druck auf den Sonnenkönig wächst

Die Störgeräusche für Bundeskanzler Sebastian Kurz werden aber doch hörbar und unaufhaltsam lauter. Die Störgeräusche für Bundeskanzler Sebastian Kurz werden aber doch hörbar und unaufhaltsam lauter.

Auch sieben Monate nach ihrem Start steht die schwarz-blaue Bundesregierung in Umfragen sehr stabil da. Die Störgeräusche für Bundeskanzler Sebastian Kurz werden aber doch hörbar und unaufhaltsam lauter.

Auch jüngste Umfragen (darunter eine von Spectra für die Bundesländer-Tageszeitungen) zeigen ein weitgehend ähnliches, für die Kanzler-Partei aber sehr klares Bild: Die ÖVP unter ihrem nach wie vor mit hohen Popularitätswerten ausgestatteten Chef Sebastian Kurz liegt bei starken 33 bis 34 Prozent. Bei den anderen Parteien schwanken die Werte je nach Institut, die SPÖ kommt (mit im Schnitt 26 Prozent und Umfrage-Ausreißern nach oben und unten) weiterhin nicht so recht vom Fleck. Das gilt auch für die FPÖ, für die ihre durchschnittlich stabilen 24 Prozent aber eine sehr gute Nachricht sind, weil es bisher trotz des Regierungseintritts und manch unpopulärer Maßnahmen statt der allseits gewohnten Frontal-Opposition bisher nicht steil nach unten ging.

Dank der Frustration der Bevölkerung über rot-schwarzen Dauerstreit, einer blendenden Konjunktur und einer vor allem mit sich beschäftigten Opposition (bis hin zur sich selbst zerfleischenden Liste Pilz) erwischte Kanzler Kurz traumhafte Startbedingungen. Jetzt hat er über sechs Monate mit der EU-Ratspräsidentschaft auch die Möglichkeit, wiederholt international zu glänzen. Bei der harten Migrationspolitik schwenken immer mehr Länder auf diesen Kurs ein. Sonnenkönig Kurz, der bisher in Teflon-Manier vieles an Kritik abprallen ließ, wird sich trotzdem mit einigen Baustellen auseinandersetzen müssen. Die interne Zusammenarbeit mit der FPÖ mag ja weit besser laufen als vorher mit der SPÖ. Das darf aber nicht dazu führen, dass unsägliche Attacken wie jene von FPÖ-General Harald Vilimsky auf EU-Kommissionspräsident Juncker einfach hingenommen werden. Schweigen ist hier absolut fehl am Platz. Solche Ausraster abzustellen, ist auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gefordert. Auf Dauer wenig klug erscheint auch der beim Beschluss für flexiblere Arbeitszeiten gewählte Weg, die Neuregelung ohne Begutachtung und Einbindung der Sozialpartner durchzupeitschen – auch wenn Letztere vorher bei dieser Frage in den letzten Jahren versagt haben. Das Gesetz wird kommen, ob gestreikt wird, scheint noch offen. In den Lohnrunden im Herbst dürfte die Gewerkschaft jedenfalls umso mehr versuchen, Muskeln zu zeigen.

Wohl am meisten zu schaffen macht dem Kanzler aber der wachsende Widerstand gegen Reformen aus den eigenen Reihen. Türkis war wohl doch nur die Modefarbe zur Wahl, jetzt pochen schwarze Bünde und vor allem auch die Ländervertreter wie gewohnt auf ihre Interessen. Wenn es um Einfluss und ums Geld geht, hat die Partei-Disziplin eben rasch Grenzen. Und das wird Kurz künftig noch sehr zu schaffen machen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Dragan Tatic, CC BY 2.0 / Quelle: TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" von Alois Vahrner "Druck auf den Sonnenkönig wächst "
24.07.2018

Ehrliches Hinsehen

Die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen ist weder einfach noch trivial. Die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen ist weder einfach noch trivial.

Die Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen ist weder einfach noch trivial. Dennoch ist sie notwendig, denn Integration ist wesentlich für das Funktionieren einer Gesellschaft. Die Tatsache, dass sich dabei laut Studie vor allem türkischstämmige Menschen statistisch gesehen schwerer tun als Einwanderer anderer Nationalitäten, verdient daher Beachtung. Es verwundert auf den ersten Blick, dass ein vergleichsweiser großer Prozentsatz den fundamentalistisch-islamischen Umbau in der Türkei gutheißt und dem dortigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zujubelt, zugleich aber in Österreich oder Deutschland alle Vorzüge einer offenen Gesellschaftsordnung mit jenen Freiheiten genießt, die Erdogan in seinem Land beschneidet.

Dabei geht es nicht um Verallgemeinerungen, sondern um Statistik, aus der es Schlüsse zu ziehen gilt: Dazu gehört, Kontakt und Diskussion mit türkischen Vereinen zu suchen. Denn derer gibt es viele und sie spielen eine wichtige Rolle, weil sie beeinflussen, ob ihre Mitglieder westliche Werte akzeptieren und sich auf die Gesellschaft ihres Gastlandes einlassen. Das Aufeinander-Zugehen soll ein offenes sein, aber kein naives: Wenn nötig, muss man entschieden zeigen, dass ein Hintertreiben der geltenden Gesetze und Werte unter keinen Umständen toleriert wird. Dies hat mit Fremdenfeindlichkeit nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Es entzieht ihr die Grundlage.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn / Quelle: Neues Volksblatt: "Ehrliches Hinsehen" (von Christian HAUBNER)
03.11.2019

Blaue Eliten als Ernstfall

Parteichef Norbert Hofer kann seit Amtsantritt nur die Bilanz eines Gescheiterten ziehen. Parteichef Norbert Hofer kann seit Amtsantritt nur die Bilanz eines Gescheiterten ziehen.

Die freiheitlichen Partei-Eliten sind dafür verantwortlich, dass braune Sümpfe nicht austrocknen. Hofer und Co. müssten sich nämlich von sich selbst distanzieren, weil sie nach wie vor Teil der Burschenschaften bzw. eng mit ihnen verbunden sind.

Unter Jörg Haider ist die FPÖ auseinandergebrochen, mit Norbert Hofer ist sie handlungsunfähig geworden. Das dritte Lager, ob freiheitlich, national oder konservativ, sollte eigentlich den jahrzehntelangen Proporz von SPÖ und ÖVP aufbrechen. Mit der Systemkritik an den Gagen der Arbeiterkämmerer hielt Haider 1994 den rot-schwarzen „Bonzen“ das berüchtigte Taferl vor Augen, sechs Jahre später schafften es die Freiheitlichen dann in die Regierung. Aber damals wie heute sind sie als Regierungspartei gescheitert. Weil die Partei-Eliten den Wählern etwas vorgaukeln, was sie selbst nicht einhalten.

Sie sind Nehmer (Spesenritter Philippa und Heinz-Christian Strache), Umfärber (von der Nationalbank bis zu den ÖBB), betreiben Günstlingswirtschaft (hochbezahlte Jobs im Innenministerium und generell in ihren Regierungsbüros) und die Führungskader pflegen enge Verbindungen zu deutsch-nationalen bzw. schlagenden Burschenschaften. Daher gelingt es der FPÖ bis heute nicht, sich davon zu trennen und die braunen Sümpfe in ihren Reihen endlich trockenzulegen.

Denn zu viel „Partei-Intelligenz“ ist aus den akademisch Schlagenden oder Pennäler-Corps hervorgegangen. Das Problem in der FPÖ sind ihre „A-Schichten“, die Gebildeten auf den blauen Mandaten, Sitzen und Funktionärsrängen.

Norbert Hofer, Mitglied der pennal-conservativen Burschenschaft Marko-Germania, oder Tirols Parteichef Markus Abwerzger (Skalden) müssten sich somit eigentlich von sich selbst distanzieren. Wie aber soll das möglich sein, ohne den bierdunstgeschwängerten „Männerbünde sind Lebensbünde“-Appellen abzuschwören? So widerlich, rassistisch, sexistisch und antisemitisch der jüngste Liederbuch-Skandal in der Steiermark auch ist – er steht stellvertretend für ein systemimmanentes Problem in der FPÖ.

Ibiza offenbart die bodenlose Verhöhnung durch die soziale Heimatpartei, hat doch ihr Ex-Chef Strache Österreich zum Verkauf angeboten. Frei nach dem Motto „Wenn wir einmal regieren“. Die bewusste Nähe zu den rechtsextremen Identitären oder den Burschenschaften ist allerdings in der FPÖ tief verwurzelt. Solange Hofer zögert, und das tut er, wird sie weiter wurzeln.

Von den braunen „Viel-Einzelfällen“ über Ibiza und die Straches:

Parteichef Norbert Hofer kann seit Amtsantritt nur die Bilanz eines Gescheiterten ziehen. Am Ende bleibt faktisch nur basses Erstaunen übrig. Wie konnte eine solche Partei überhaupt regierungsfähig gemacht werden und Koalitionspartner in einer Bundesregierung sein?

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Bwag/CC-BY-SA-4.0 / Quelle: Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von PETER NINDLER
14.03.2019

Der Obstler darf Obstler heißen

EU-Verordnung bestätigt heimische Rezeptur / Beim Obstler bleibt neben Äpfeln und Birnen auch Steinobst erlaubt EU-Verordnung bestätigt heimische Rezeptur / Beim Obstler bleibt neben Äpfeln und Birnen auch Steinobst erlaubt

"Der Obstler darf weiterhin seinen Namen tragen. Das ist eine gute Nachricht für die heimischen Hersteller. Die in Österreich gängige Herstellungsmethode bleibt erlaubt und der Obstler wird unter diesem Namen per EU-Gesetz geschützt", sagt der ÖVP-Europaabgeordnete Lukas Mandl zur heutigen abschließenden Abstimmung über die Reform der EU-Spirituosenverordnung im Plenum des Europaparlaments.

"Der ursprüngliche Vorschlag hatte vorgesehen, dass Obstler nur noch aus Äpfeln und Birnen zu bestehen habe. Produzenten in Österreich mischen aber traditionell kleinere Mengen Steinobst wie Zwetschken und Kirschen dazu", sagt Mandl. "Damit das so bleiben kann, habe ich mich für die Änderung der EU-Pläne eingesetzt - letztlich mit Erfolg. Künftig müssen nur 85 Prozent eines echten Obstlers aus Äpfeln und Birnen bestehen. Den Rest können die österreichischen Schnapsbrenner nach bewährtem Rezept auswählen."

"Das ist ein schöner Erfolg im Sinne der rot-weiß-roten Interessen", sagt Mandl. "Das Handwerk ist seit Generationen überliefert und kann weiterbestehen. Der traditionelle Obstler steht auch in Zukunft für den verantwortungsvollen Konsum zur Verfügung." Warum es für Spirituosen überhaupt eine EU-Regelung braucht, beschreibt Mandl so: "Wir haben einen Binnenmarkt und in dem muss klar sein, welches Produkt unter welchem Namen vertrieben wird. Das schützt auch unsere österreichischen Hersteller, die auf Qualität und traditionelle Verfahren setzen."

Erstmals wird mit dem neuen EU-Gesetz für Hochprozentiges auch ein Zuckergrenzwert festgeschrieben. "Es gilt die Faustregel: Je mehr Extrazucker ein Schnaps braucht, desto schlechter ist die Qualität", sagt Mandl. "Das ist ein weiterer Vorteil für unsere heimischen Hersteller qualitativer hochwertiger Schnäpse und Liköre." Der neue Grenzwert für Obstbrände ist ein Zuckerzusatz von 20 Gramm pro Liter. In extremen Fällen außerhalb Österreichs werden bisher bis zu 35 Gramm pro Liter zugesetzt. Im Qualitätsland Österreich sind höchsten vier Gramm pro Liter üblich.

"Geschützt bleiben weiterhin österreichische Spirituosenspezialitäten, die den Schutz aufgrund geografischer Angaben genießen: Wachauer Marillenbrand, Jagatee, Mariazeller Jagasaftl und Inländerrum", schließt Mandl.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn
02.05.2019

Richtung stimmt, Fragen bleiben

Die präsentierte Steuerreform, die Beschäftigte und Wirtschaft in beachtlichem Ausmaß entlasten wird, war überfällig. Vieles an Details ist aber noch zu klären. Die präsentierte Steuerreform, die Beschäftigte und Wirtschaft in beachtlichem Ausmaß entlasten wird, war überfällig. Vieles an Details ist aber noch zu klären.

Wie immer bei solchen Projekten war die Spannweite der politischen Reaktionen wenig überraschend sehr breit: Die türkis-blaue Regierung sprach von einem „großen Wurf“, die Opposition von einer „Mogelpackung“ und einem „Reförmchen“. Im Gegensatz etwa zur letzten Steuerreform traten diesmal FPÖ und SPÖ mit vertauschten Rollen auf. Gewerkschaft und Industrie hätten sich noch mehr Entlastung für die eigene Klientel erhofft, Umweltverbände vermissen einen ökologischen Steuerumbau.

Mit 6,5 Mrd. Euro (allerdings erst schrittweise bis 2022) ist das Volumen der Steuersenkung sehr respektabel – freilich finanzieren sich diese Segnungen zum Teil quasi von selbst, weil bis dahin die kalte Steuer-Progression Milliarden in die Staatskasse spült. Dass die im internationalen Vergleich zu hohe Steuerlast in Österreich reduziert werden soll, ohne dabei neue Schulden zu machen, ist bzw. wäre dringend nötig.

Profitieren sollen von den Maßnahmen vor allem kleinere und mittlere Einkommen, auch das ist der richtige Ansatz. Und auch der Wirtschaftsstandort Österreich bekommt Impulse.

Dass Kanzler Kurz anders als bei früheren Wahlversprechen jetzt keine generelle Abschaffung der kalten Progression (das Hineinrutschen in höhere Steuerklassen) will, weil davon Gutverdiener mehr profitieren würden, war diesbezüglich gestern überraschend.

Noch hält sich die Aufregung über „Gegenfinanzierungen“ in Grenzen, weil außer einer höheren Tabaksteuer und einem angeblich aufkommensneutralen und ökologischen Umbau von Autosteuern nichts geplant sei. Die Inhalte der Milliarden-Einsparungen im „System“ und „weitere Maßnahmen“ sind noch nicht bekannt – das wird sich aber in einigen Monaten schlagartig ändern.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de / Quelle: Tiroler Tageszeitung "Leitartikel" von Alois Vahrner
02.07.2018

Gegackert

Das Gackern über ungelegte Eier gehört zur Politik. Schon klar. Aber bisweilen versteht man vor lauter Gackern nicht mehr, worum es geht. Das Gackern über ungelegte Eier gehört zur Politik. Schon klar. Aber bisweilen versteht man vor lauter Gackern nicht mehr, worum es geht.

Das Gackern über ungelegte Eier gehört zur Politik. Schon klar. Aber bisweilen versteht man vor lauter Gackern nicht mehr, worum es geht. So wie bei der neuen Arbeitszeitregelung. Nüchtern betrachtet wird sich durch diese Gesetzesänderung wohl kaum etwas ändern, schon heute arbeiten einige Beschäftigte an manchen Tagen länger als zehn Stunden und in manchen Wochen mehr als 48 Stunden. Aber es ist die Ausnahme.

Und laut Gesetz wird es auch in Zukunft die Ausnahme bleiben. Und bei der Endfassung soll auch der Interpretationsspielraum eingeengt sein. Es scheint daher fast hysterisch, wenn man vom generellen 12-Stunden-Tag spricht und gegen eine 60-Stunden-Woche demonstriert. Das prophezeite Vereinssterben oder die Vervielfachung von Verkehrs- und Arbeitsunfällen durch diese Novelle wird wohl ebenfalls nicht eintreten. Und sollte es der Verfassung widersprechen muss man es reparieren – eh klar.

Aber erst dann wäre das Ei gelegt und es sollte mit dem Gackern begonnen werden.

Vorgegackert wird auch in grün. Wegen einer Stellungnahme der EU-Kommission zum Mindestsicherungsmodell glaubt der grüne Abgeordnete Kaineder, dass „die beiden wesentlichen Kürzungen bei Mehrkindfamilien und Asylberechtigten beseitigt werden müssen“, obwohl das Urteil des EuGH aussteht und nur dieser die Urteile fällt ... selbst für Gesetzestexte sollte es aber keine Vorverurteilungen geben.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn / Neues Volksblatt: "Gegackert" von Herbert SCHICHO
07.10.2019

Doskozil: "Situation der SPÖ ist sehr dramatisch"

Doskozil: "Situation der SPÖ ist sehr dramatisch" Doskozil: "Situation der SPÖ ist sehr dramatisch"

Im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH (Sonntagsausgabe) rechnet der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ungewohnt scharf mit seiner Partei ab: "Das Bundesergebnis der SPÖ ist desaströs. Da gibt es keine 2. Meinung dazu." Doskozil auf die Frage, warum das Ergebnis so schlecht ausgefallen sei: "Offensichtlich schaffen wir es als Bundes-SPÖ nicht mehr, den Menschen klar zu machen, wofür wir stehen."

Die Situation sei laut Doskozil "sehr dramatisch. Kosmetische Eingriffe helfen sicher nicht!" Auf die Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner angesprochen, sagt Doskozil: "Wir brauchen jetzt nicht über einzelne Personen zu diskutieren. Wir haben tiefgründigere Probleme."

Einer roten Regierungsbeteiligung erteilt Doskozil eine klare Absage. Auf die Frage, ob die SPÖ in eine Regierung mit Kurz gehen solle, antwortet Doskozil: "Nein. Jetzt den Mehrheitsbeschaffer zu geben, hielte ich für einen Fehler." Die SPÖ habe von den "Menschen keinen Auftrag erhalten". Er selbst stünde als Vizekanzler jedenfalls nicht zur Verfügung: "Nein. Ich bin und will Landeshauptmann im Burgenland bleiben."

Doskozil spricht in ÖSTERREICH auch über seine Stimmband-OP:

"Nächste Woche werde ich operiert. Dann sollte wieder alles ok sein. Ab Ende Oktober werde ich alle Termine wieder zu 100% wahrnehmen."

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Steindy, Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
29.05.2019

Anfang vom Ende

Zu groß war die Versuchung, einen Kanzler zu stürzen, dem sie auf üblichem Weg, nämlich durch Wahlen, nichts anhaben kann. Zu groß war die Versuchung, einen Kanzler zu stürzen, dem sie auf üblichem Weg, nämlich durch Wahlen, nichts anhaben kann.

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass die SPÖ ausschließlich parteitaktisch agiert, dann ist dieser durch die Abwahl von Kanzler Kurz und der Regierungsmannschaft erbracht. Denn nach Veröffentlichung des Ibiza-Videos hat auch die SPÖ laut nach einer Abberufung der freiheitlichen Ministerriege gerufen. Und just als auf Vorschlag des Kanzlers genau das passiert ist, entzieht ihm die SPÖ das Vertrauen.

Dass man damit auch eine Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher vor den Kopf stößt – diese hatten sowohl bei der Nationalratswahl als auch ganz aktuell bei der EU-Wahl der ÖVP sogar großes Vertrauen ausgesprochen –, ficht die Genossinnen und Genossen scheinbar überhaupt nicht an. Ebenso wenig, dass man Österreichs Einfluss auf EU-Ebene massiv schwächt, und das in einer Zeit, in der wichtige Entscheidungen in Brüssel fallen.

Das alles ist der SPÖ egal.

Zu groß war die Versuchung, einen Kanzler zu stürzen, dem sie auf üblichem Weg, nämlich durch Wahlen, nichts anhaben kann. Staatstragend ist das nicht. Es könnte sein, dass man in einigen Monaten konstatieren wird, dass der Misstrauensantrag der Anfang vom Ende der politischen Karriere von Pamela Rendi-Wagner war.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: SPÖ Presse und Kommunikation Wikimedia / Quelle: Oö. Volksblatt, Christian HAUBNER
19.05.2019

Tristes Ende von Türkis-Blau

Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von ALOIS VAHRNER Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von ALOIS VAHRNER

Kurz wisse genau, was er jetzt tun wolle, verlautete am Freitagabend nach dem Auftauchen des Skandal-Videos von Heinz-Christian Strache aus dem Umfeld des Kanzlers. „Katastrophal und peinlich“, befand bei seiner Rücktrittserklärung gestern selbst der zwischen bekannter Opferrolle und Entschuldigungen schwankende Vizekanzler.

Kurz hätte, was auch schon am Freitag unausweichlich war, zumindest dann zeitnah die Reißleine ziehen müssen. Stattdessen erging man sich in einem stundenlangen Poker, angeblich etwa auch um den Posten von FPÖ-Mastermind Herbert Kickl als Innenminister – als ob es nach den skandalösen Aussagen und Angeboten Straches an eine angebliche russische Oligarchin noch um Retuschen und nicht um eine ganz klare politische und moralische Linie gegangen wäre.

Erst spät­abends hat Kurz das unabwendbare Aus für Türkis-Blau erklärt. Und eingestanden, dass mit dem Risiko-Partner FPÖ zwar etliche Reformen, aber auf Dauer doch kein Staat zu machen ist. Mit seinem zu langen Zaudern hat der Kanzler gestern seinem Macherimage selbst Kratzer zugefügt. Kurz hatte nur die Auswahl zwischen Pest und Cholera: einer Koalitions-Fortsetzung mit einer schwer angezählten FPÖ, die bisher eher mit BVT-Affäre und ständigen Abgrenzungsproblemen mit dem sehr rechten Rand die VP in Bedrängnis brachte.

Ein Rückfall in aus Schwarz-Blau bekannte Korruptionsthemen schien bis zum Auftauchen des Videos kein Thema. Jetzt steuert der Kanzler, auch wenn er bei der Neuwahl wie einst Schüssel mit FPÖ-Stimmen noch kräftig zulegen könnte, auf nur eine Option hin, weil sich eine erhoffte Ehe mit den NEOS kaum ausgehen wird: eine Neuauflage der ungeliebten großen Koalition mit der SPÖ – Streit und Stillstand wohl inkludiert.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Christian Michelides / Wikipedia / Quelle:
03.08.2018

Sozialausgaben auf neuem Rekordstand

Im vergangenen Jahr sind die staatlichen Ausgaben für Soziales auf den neuen Höchststand von 110 Milliarden Euro geklettert. Im vergangenen Jahr sind die staatlichen Ausgaben für Soziales auf den neuen Höchststand von 110 Milliarden Euro geklettert.

Im Jahr 2017 wurden für Soziales und Gesundheit rund 110 Milliarden Euro ausgegeben. Die sogenannte Sozialquote – sie misst den Anteil der Sozialausgaben an der Wirtschaftsleistung – liegt bei 29,5 Prozent. Das zeigen Zahlen der Statistik Austria, die Mitte der Woche veröffentlicht wurden. Etwas weniger als die Hälfte davon – 52,3 Milliarden Euro – wurden alleine für Pensionsleistungen aufgewendet (inklusive Beamte).

Ein Überblick seit 1980 zeigt, dass die Sozialquote in Österreich stets über 25 Prozent gelegen ist. 2016 überschritt der Anteil der Sozialausgaben an der Wirtschaftsleistung erstmals die 30-Prozent-Marke. „Die Sozialquote ist trotz der guten Konjunktur auf einem hohen Niveau. So ist Österreichs Wirtschaft mit 3,0 Prozent real so stark wie seit 2011 nicht mehr gewachsen, gleichzeitig aber sind die Sozialausgaben gestiegen“, sagt Agenda Austria-Ökonom Lukas Sustala. Die Sozialquote sei im Vergleich zum Vorjahr aufgrund der brummenden Wirtschaftslage leicht gesunken.

Besonders dynamisch sind die Sozialausgaben 2017 in den Bereichen Gesundheitsversorgung (plus 4,4 Prozent) und Alter/Pensionen (plus 2,7 Prozent) gestiegen. Diese Entwicklung zeigt, dass Österreich nach wie vor eine Pensionsreform wie in Schweden braucht, so Wolfgang Nagl, Pensionsexperte der Agenda Austria. Das schwedische System ist nachhaltig, weil es sich automatisch an demographische Entwicklungen anpasst – langwierige politische Diskussionen sind nicht mehr nötig. Das Ergebnis ist für alle Generationen fair. „Das ist essenziell, um die Ausgabendynamik in den Griff zu bekommen. Die Sozialausgaben sind seit 2000 um zehn Prozentpunkte schneller gewachsen als das BIP. Die Regierung sollte die aktuell sehr gute Konjunktur nutzen und sich Spielräume erarbeiten, gerade wenn gegen Ende der Legislaturperiode im Jahr 2020 eine Steuerreform umgesetzt werden soll“, meint Sustala.

Bei den Staatseinnahmen jedenfalls läuft es für den Finanzminister anhaltend gut. 2018 sind die Steuererlöse im ersten Halbjahr laut aktuellen Zahlen des Budgetvollzugs deutlich über Plan gewachsen. Die Erlöse aus den wichtigen Einkommens- und Vermögenssteuern sind um 3,2 Prozent gestiegen. „Die Hochphase der Konjunktur ist auch 2018 bei den Steuereinnahmen angekommen“, sagt Ökonom Sustala.

Immerhin zeigt ein Blick auf den Budgetvollzug des Bundes, dass die Staatsausgaben im ersten Halbjahr 2018 im Jahresvergleich um 2,3 Prozent zurückgegangen sind. Das liegt vor allem an Sondereffekten, u.a. den Milliardenbelastungen durch die Heta im Vorjahr und die einmaligen Zahlungen für die Bank Austria-Pensionen. Ohne diese Sondereffekte wären die Staatsausgaben erneut gestiegen.

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07.10.2019

Wer bewegt sich auf wen zu?

Sebastian Kurz hat bekanntlich mehrere Möglichkeiten, eine Regierung zu bilden. Sollte er keinen Partner finden, kann er es immer noch alleine versuchen – und beim dann absehbaren Scheitern jene in die Pflicht nehmen, die sich zuvor einer Zusammenarbeit verweigert haben. Sebastian Kurz hat bekanntlich mehrere Möglichkeiten, eine Regierung zu bilden. Sollte er keinen Partner finden, kann er es immer noch alleine versuchen – und beim dann absehbaren Scheitern jene in die Pflicht nehmen, die sich zuvor einer Zusammenarbeit verweigert haben.

Die Innenpolitik ist nach den großen Veränderungen des vergangenen Sonntags um eine neue Spielart reicher: Der Juniorpartner in einer möglichen türkis-grünen Bundesregierung stellt noch vor Start der Sondierungsgespräche nahezu unerfüllbare Koalitionsbedingungen. Wenn es nach den Grünen geht, muss sich nämlich ausschließlich die türkis-schwarze ÖVP unter Sebastian Kurz bewegen, also in Richtung grüner Politik umschwenken, sollte es tatsächlich zu einer Zusammenarbeit der Wahlsieger kommen.

Die Wiener Grünen verlangen von Kurz sogar einen Kurswechsel um 180 Grad.

Die künftige Bundesregierung, so viel steht fest, wird um ein konsequentes Klimaschutzpaket, das auch eine CO²-Steuer beinhaltet, nicht herumkommen. Auch eine sozial verträglichere Regelung bei der Mindestsicherung wird es brauchen. Das dürfte aber keine allzu große Hürde darstellen, wie nicht zuletzt die schwarz-grüne Regierung in Tirol mit ihrem Mindestsicherungsgesetz bewiesen hat.

Die Asylpolitik besitzt zwar prinzipiell das Potenzial zum Spalter-Thema, aber das Wesen einer Koalition ist ja gerade, dass Differenzen auf dem Verhandlungsweg bereinigt werden. Also sind beide Partner gefordert, nach Kompromissen zu suchen. Extrempositionen wie die sozialromantische Forderung nach offenen Grenzen für alle auf der einen Seite und totaler Abschottung nach FPÖ-Muster auf der anderen erschweren die anstehenden Verhandlungen unnotwendigerweise.

Sebastian Kurz hat bekanntlich mehrere Möglichkeiten, eine Regierung zu bilden. Sollte er keinen Partner finden, kann er es immer noch alleine versuchen – und beim dann absehbaren Scheitern jene in die Pflicht nehmen, die sich zuvor einer Zusammenarbeit verweigert haben. Das sollten künftige Koalitionspartner nicht vergessen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Kremlin.ru / dbn / Quelle: TIROLER TAGESZEITUNG Leitartikel von Mario Zenhäusern
09.09.2019

Umfrage: Bevölkerung mit Expertenregierung zufrieden

Umfrage: Bevölkerung mit Expertenregierung zufrieden Umfrage: Bevölkerung mit Expertenregierung zufrieden

Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ in seiner neuen Ausgabe berichtet, sind die Österreicher mit dem Auftreten der Expertenregierung durchaus zufrieden.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Unique Research im Auftrag von „profil“ sind 42% der Österreicher der Meinung, Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und ihre Minister würden sich „derzeit zu Wort melden, wenn es nötig ist“.

30% geben an, Bierlein und die anderen Regierungsmitglieder könnten sich ruhig öfter öffentlich melden. Nur 9% halten das Auftreten der Expertenregierung für zu offensiv. 19% machten keine Angaben.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn
09.09.2019

Ein schlechter Tag für Türkis-Blau

Ursula Stenzels Auftritt im Umfeld der Identitären macht eine Neuauflage der ÖVP-FPÖ-Koalition wieder um ein Stück schwieriger Ursula Stenzels Auftritt im Umfeld der Identitären macht eine Neuauflage der ÖVP-FPÖ-Koalition wieder um ein Stück schwieriger

Ursula Stenzels Auftritt im Umfeld der Identitären macht eine Neuauflage der ÖVP-FPÖ-Koalition wieder um ein Stück schwieriger. Das ist schlecht für die FPÖ. Aber auch für die ÖVP, die nach der Wahl Alternativen braucht.

Von Einsicht kann bei Ursula Stenzel keine Rede sein. Ihre Entschuldigung für die Teilnahme am identitären Gedenkmarsch zur Erinnerung an die Befreiung Wiens von den Türken 1683 relativierte sie insofern, als sie das Thema der Veranstaltung für wichtig erklärte. Einziges Eingeständnis: Künftig würde sie sich die Organisatoren besser ansehen.

Eine einfache Internetrecherche hätte gezeigt, wer hinter dem Marsch steht. Und auch wenn das Anliegen der Veranstaltung für Stenzel unterstützenswert sein mag, müsste einer erfahrenen Politikerin klar sein, dass sie an einen Auftritt bei den Identitären nicht einmal denken darf.

Der Verfassungsschutz sieht in den Identitären wesentliche „Träger des modernen Rechtsextremismus“. Sie versuchen zwar, bei den alten Neonazis nicht anzustreifen. (Meinungs-)Vielfalt einer offenen demokratischen Gesellschaft ersetzen sie aber durch ein Schema von „Wir“ und die „anderen“. Letztere – und dazu gehören viele in Österreich lebende Menschen – werden als Gefahr für eine homogene Kultur dargestellt. Diese Betrachtung gipfelt in der Warnung vor dem „großen Austausch“, der zum Code der modernen Rechtsextremen geworden ist.

Ursula Stenzel mit ihrer langen Erfahrung bei ORF, ÖVP und nun FPÖ, in Brüssel und in Wien, weiß all das. Mit ihrem Auftritt bringt sie aber nicht nur sich in Erklärungsnot, sondern auch ihre aktuelle und ihre frühere Partei in die Bredouille.

Ihre aktuelle Partei, die FPÖ, will um alles in der Welt wieder in eine Regierung mit der ÖVP. Jeder „Einzelfall“ eines Ausrutschers nach rechts nimmt den Blauen aber einen weiteren Teil ihrer Regierungsfähigkeit. Und die Einzelfälle reißen nicht ab. Erst Anfang September hat der ober­österreichische Landesrat Wolfgang Klinger mit einer Aussage über die Nachteile von „Mischkulturen“ aufhorchen lassen.

Der ÖVP, der Stenzel vor fünf Jahren im Streit um eine Wiederkandidatur den Rücken gekehrt hat, kommt der prominente „Einzelfall“ Stenzel aber ebenfalls ungelegen. Sebastian Kurz hat die Partei in Sachen Identitäre eindeutig positioniert, bis hin zur über die FPÖ hinaus umstrittenen Forderung eines Verbots.

Und jetzt also Stenzel, von der sich die FPÖ zumindest vorerst nicht distanzieren wollte. Sie ist ein Argument mehr für die türkisen Skeptiker einer Neuauflage der riskanten Koalition mit den Freiheitlichen.

Sebastian Kurz könnten die Alternativen für den angestrebten Wiedereinzug ins Kanzleramt ausgehen.

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26.08.2019

Die Brandstifter

 Unsere Welt steht in Flammen“, sagte die Präsidentin der UNO-Generalversammlung, María Fernanda Espinosa, in Alpbach Unsere Welt steht in Flammen“, sagte die Präsidentin der UNO-Generalversammlung, María Fernanda Espinosa, in Alpbach

Die Politischen Gespräche in Alpbach bilden eine Welt ab, die im Umbruch steckt. Was noch vor ein paar Jahren als selbstverständlich erschien, muss heute verteidigt werden.

Unsere Welt steht in Flammen“, sagte die Präsidentin der UNO-Generalversammlung, María Fernanda Espinosa, in Alpbach. Das war auf die Brände im Amazonasgebiet gemünzt und zugleich als Metapher gemeint. Allerorten toben derzeit politische Brände.

In Brasilien brennt die grüne Lunge der Welt, während die politischen Antworten auf die Klimakrise noch immer zu wenig entschlossen ausfallen. In Alpbach beklagen prominente Redner eine globale Krise der liberalen Demokratie, abzulesen nicht zuletzt an den Erfolgen von Nationalpopulisten mit autoritären Zügen.

Beim G7-Gipfel in Biarritz war erstmals in der 44-jährigen Geschichte der Treffen keine gemeinsame Abschlusserklärung ge­plant – zu groß erscheinen die Differenzen zwischen US-Präsident Donald Trump und den übrigen Teilnehmern. Und ein Brexit ohne Abkommen wird wahrscheinlicher. Zugleich heizt Trump den Handelskrieg gegen China weiter an. Noch höhere Zölle und der Abzug von US-Firmen sollen den neuen Gegenspieler in die Knie zwingen. Zu Boden gehen wird aber weniger Peking, als vielmehr die Weltwirtschaft. Als wäre das alles noch nicht genug, erlebt die Welt nach dem Ende des INF-Vertrags und angesichts der schlecht gemanagten Konflikte mit Nordkorea und dem Iran die Rückkehr von Atomwaffen als Mittel der Politik.

Gemeinsam ist fast allen dieser politischen Brände die ebenso zentrale wie tragische Rolle des amerikanischen Präsidenten. Da soll noch einer sagen, es macht eh keinen Unterschied, wer in ein Amt gewählt wird. Es wäre aber falsch, den beklagenswerten Zustand der Welt auf eine Person zu reduzieren. Alle Brände haben unterschiedliche Hintergründe, und in vielerlei Hinsicht erscheint Trump ebenso als Symptom wie als Brandbeschleuniger.

Die globale Ordnung befindet sich seit geraumer Zeit im Umbruch. Nach dem Ende des Kalten Krieges schien es zunächst, als würde das westliche Wirtschafts- und Gesellschaftssystem einen globalen Siegeszug antreten, gestützt auf die Friedensdividende und ein komplexes multilaterales System. Francis Fukuyama rief damals das Ende der Geschichte aus. Heute ist klar, dass es sich nur um eine Atempause vor dem dramatischen nächsten Kapitel handelte, das derzeit gerade geschrieben wird.

Das Leben in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand, an das sich viele Europäer gewöhnt haben, erscheint heute nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor ein paar Jahren. Es muss verteidigt werden – vom politischen Führungspersonal ebenso wie von jedem Einzelnen. Espinosa schloss in Alpbach: „Wir sind hier, weil wir nicht gleichgültig sind.“

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn / Quelle: Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von Floo Weißmann
28.10.2019

Umfrage: 35% wünschen sich „mehr Tempo“ bei den Sondierungsgesprächen

Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ in seiner neuen Ausgabe berichtet, wünschen sich 35 Prozent der Österreicher „mehr Tempo“ bei den Sondierungsgesprächen zwischen ÖVP und Grünen.

Laut der vom Meinungsforschungsinstitut unique research für „profil“ durchgeführten Umfrage stimmt eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten jedoch der Aussage zu, dass eine solide Regierungsbildung Zeit brauche.

Besonders ungeduldig sind die FPÖ-Wähler, die zu 54 Prozent raschere Sondierungen fordern. Mehr als zwei Drittel der ÖVP-und Grünen-Sympathisanten gönnen „ihren“ Verhandlern dagegen mehr Zeit.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn
25.03.2019

EU braucht Stärke statt Streit

Teile und herrsche: Nach dieser Maxime werden die zerstrittenen EU-Staaten von China, Russland und den USA untereinander ausgespielt. Teile und herrsche: Nach dieser Maxime werden die zerstrittenen EU-Staaten von China, Russland und den USA untereinander ausgespielt.

Europa steht von vielen Seiten unter Druck, sowohl von außen als auch von innen. Wenn es Wohlstand und Einfluss verteidigen will, dann nur mit mehr Gemeinsamkeit.

Die Welt ist in den letzten Jahren wieder konfliktträchtiger geworden. In den USA, dem nach dem 2. Weltkrieg starken Verbündeten des freien Europas, regiert mit Donald Trump ein äußerst unberechenbarer Präsident. In seinem „America First“-Denken ist auch die EU ein Widersacher, vor allem in der Wirtschaft. Dazu kommt ein Russland, das mit Macht nach mehr Einfluss und alter politischer und militärischer Stärke drängt, und nicht minder das Milliardenreich China, das sich überall in der Welt Einflusssphären sichert.

Ein vierter ganz starker Spieler auf diesem Parkett müsste die EU sein. Auf wirtschaftlichem Gebiet ist sie das auch, auf politischem wegen ihrer Uneinigkeit aber nur sehr unzureichend. Eine Union, die angesichts von Brexit, von nationalen Egoismen und mangelnder Solidarität sich selbst viel zu viel blockiert. Und das machen sich Amerikaner, Russen und Chinesen zunutze nach dem Motto „Divide et impera – teile und herrsche“. Mit dieser Maxime haben schon viele Mächtige erfolgreich versucht, mögliche Kontrahenten in Untergruppen mit gegensätzlichen Interessen aufzuspalten – und dieses Spiel spielen die EU-Länder bei verschiedenen Fragen auch noch mit. Beispiel: Noch bevor die EU eine Linie zur von China forcierten „Neuen Seidenstraße“ gefunden hat, unterschrieb jetzt auch Italien Verträge mit China, das hier bei den zugesagten Milliarden weder die Wohlfahrt noch die Caritas ist, sondern beinharte Interessen verfolgt.

Europa mit all seiner Kultur, seinen Grundrechten und seiner Lebensqualität steht tatsächlich am Scheideweg. Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen stehen nachhaltiger Wohlstand und gemeinsame Zukunftsfähigkeit auf dem Spiel, wenn nicht endlich EU-Interessen viel stärker gemeinsam vertreten werden.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn / Quelle: TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel von Alois Vahrner
03.06.2019

Das Experiment im Kanzleramt

Im Parlament geben aber weiter die Parteien den Ton an, so wie sie 2017 gewählt wurden. Im Parlament geben aber weiter die Parteien den Ton an, so wie sie 2017 gewählt wurden.

Die bisherige Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein wird heute als erste Bundeskanzlerin der Republik angelobt. Sie kann eine gute Kanzlerin werden – aber nur dann, wenn die Parteien im Nationalrat das auch zulassen.

Man muss schon ein besonderer Feinspitz sein, um im Zusammenhang mit der Verfassung von „Eleganz“ zu sprechen, wie es Bundespräsident Alexander Van der Bellen tut. Wichtig war ihm offenbar in erster Linie die Botschaft, dass die Verfassung eine klare Handlungsanleitung für den Fall enthält, dass an der Spitze der Republik ein Vakuum entsteht, weil sich eine Regierung selbst in die Luft sprengt – oder dorthin gesprengt wurde.

Die Anleitung vermag aber nichts daran zu ändern, dass Politik mit der Übergangs- oder „Vertrauens“-Regierung Brigitte Bierlein unter neuen Vorzeichen stattfinden wird. Bierlein mag zwar eine gute Kanzlerin werden, in dem Sinn, dass sie gehört wird und die richtigen Worte zur rechten Zeit findet. Sie kann aber keine starke Kanzlerin sein.

Denn erstmals wird eine ganze Regierung nicht von den Parteien beschickt. Und auch wenn unter den Ministern Spitzen­beamte sein werden, die ihre Karriere einer Partei verdanken: Mit der Expertenregierung wird ein Grundprinzip außer Kraft gesetzt, das unseren politischen Alltag genauso beherrscht wie den in vielen anderen westlichen Demokratien, nämlich der Gleichklang von Regierung und Parlament. An seine Stelle tritt jetzt eine echte Teilung der Gewalten: hier das Parlament – und dort die Regierung, die in Ersterem über keine fixe Mehrheit verfügt.

Im Parlament geben aber weiter die Parteien den Ton an, so wie sie 2017 gewählt wurden. Eine ÖVP, die am Selbstverständnis als Kanzlerpartei festhält. Eine FPÖ, die sich trotz des Ibiza-Videos als Opfer des türkisen Machtkalküls sieht. Eine SPÖ, die am Scheitern der anderen zu zerreißen droht. NEOS, die im Machtpoker auf die Rolle als Edelkomparsen beschränkt sind. Und die Liste „Jetzt“, deren Ablaufdatum schneller kommt als erwartet.

Es sind die drei größeren Parteien, die mit wechselnden Mehrheiten noch Beschlüsse im Nationalrat fassen können. Es sind daher vor allem ÖVP, SPÖ und FPÖ, die gemeinsam Verantwortung dafür tragen, im Wechselspiel mit dem Bundespräsidenten und der Regierung Bierlein die Monate bis zur Nationalratswahl und der Bildung einer dann wieder politisch zusammengesetzten Regierung gut über die Runden zu bringen. Wunder dürfen wir uns in dieser Zeit nicht erwarten.

Es wäre schon viel gewonnen, wenn sich alle Parteien ohne leicht zu durchschauende Scheinmanöver um eine elegante Abwicklung bemühen würden. Eine gütliche Einigung auf einen Wahltermin wäre zumindest ein Beginn.

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29.05.2019

Hofburg-Mann in bester Verfassung

Nun zeigt sich nicht nur, wie gut es ist, dass es einen Bundespräsidenten gibt. Es ist auch gut, dass Alexander Van der Bellen das Amt innehat – auch, weil er ein famoser Kommunikator und Psychologe ist. Nun zeigt sich nicht nur, wie gut es ist, dass es einen Bundespräsidenten gibt. Es ist auch gut, dass Alexander Van der Bellen das Amt innehat – auch, weil er ein famoser Kommunikator und Psychologe ist.

Nun zeigt sich nicht nur, wie gut es ist, dass es einen Bundespräsidenten gibt. Es ist auch gut, dass Alexander Van der Bellen das Amt innehat – auch, weil er ein famoser Kommunikator und Psychologe ist.

Ende Jänner 2017 hat der Karikaturist Michael Pammesberger Alexander Van der Bellen gezeichnet. An einem Fenster der Präsidentschaftskanzlei stehend, auf den Ballhausplatz blickend – und konstatierend: „Pfoah, des wird fad.“ Eine überspitzte Beschreibung dessen, wie die meisten das Amt des Bundespräsidenten gesehen haben. Als das eines Staatsnotars, der zu Neujahr im TV spricht, im Ausland Österreich repräsentiert, pro forma das Heer befehligt, alle paar Jahre eine Regierung angelobt und – schon das galt als außergewöhnlich – Ministerkandidaten ablehnt, wie einst von Thomas Klestil praktiziert.

Niemand erahnte, welche Rolle das Staatsoberhaupt nun haben würde. Ob einer noch nie dagewesenen Situation in der Zweiten Republik. Zack, zack, zack war nicht nur der Vizekanzler weg, die gesamte FPÖ-Regierungstruppe kam abhanden. Experten wurden an derer statt inthronisiert. Zack, zack, zack waren sie weg, weil SPÖ, FPÖ und die Liste „Jetzt“ ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz und seinen Ministern das Misstrauen aussprachen.

Nun sind Nachfolger zu suchen, die administrieren, bis nach der Wahl die neue Regierung gebildet ist. Angesichts dieses hiesigen Polit-Novums zeigt sich nicht nur, wie gut es ist, einen Bundespräsidenten zu haben. Es zeigt sich auch, wie gut es ist, dass Alexander Van der Bellen Herr in der Hofburg ist. Umsichtig und mit Fingerspitzengefühl agiert er seit Tagen. Van der Bellen bindet nicht nur alle Parlamentsparteien ein, er erläutert auch den Bürgern, was zu tun ist – und was er tut. Nicht in Juristendeutsch, in einfacher Sprache. Auch mit Humor.

Warum die Ressorts besetzt sein müssen, bis das Übergangskabinett steht, erklärt er so: Rufe der Wirtschaftsminister eines anderen Landes im Wirtschaftsminis­terium an, müsse ja jemand „das Telefon abheben“. Psychologisch ist Van der Bellen ebenfalls zugange. „Nur Mut, wir kriegen das schon hin“, lässt er Besorgte – mit Verweis auf die Eleganz der Verfassung – wissen.

Gerichtet ist das auch an Alarmisten in Politiker-Reihen.

Sebastian Kurz hat im Wahlkampf Van der Bellen nicht als Präsidenten empfohlen, der damalige Klubchef Reinhold Lopatka riet zu Norbert Hofer als Staatsoberhaupt. Jetzt kann und wird die ÖVP froh sein, dass die Stichwahl zugunsten des vormaligen Grünen-Chefs ausgegangen ist. Und nicht ein Vertreter jener Partei in der Hofburg sitzt, mit der sie die Koalition beendet hat. Weil sie sich anscheinend gewundert hat, was in dieser alles möglich ist.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: SPÖ Presse und Kommunikation Wikimedia / Quelle: Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von KARIN LEITNER
11.06.2019

Der unverfrorene Herr Strache

„Schämen Sie sich“, ruft der ehemalige FPÖ-Vizekanzler den jetzigen Regierenden zu. Wenn sich jemand schämen sollte, dann er. Ob seines via Video dokumentierten Gedanken-Unguts. „Schämen Sie sich“, ruft der ehemalige FPÖ-Vizekanzler den jetzigen Regierenden zu. Wenn sich jemand schämen sollte, dann er. Ob seines via Video dokumentierten Gedanken-Unguts.

Schämt euch!“, befindet Heinz-Christian Strache via Facebook. An das Kabinett von Kanzlerin Brigitte Bierlein adressiert er das. Mit der sprachlich ungelenk formulierten Anmerkung: „Die guten Freiheitlichen Projekte werden nicht umgesetzt, dafür werden alle positiven Fortschritte der FPÖ in der Regierung wieder zurückgenommen.“ Jener Mann, der – noch dazu als Chef einer Oppositionspartei – im Juli 2017 einer vermeintlichen russischen Oligarchin erläuterte, wie Spenden am Rechnungshof vorbei an seine Partei ergehen könnten, der ihr – als Gegenleistung für Nationalratswahlkampfhilfe – öffentliche Aufträge in Aussicht stellte, der eine Geisteshaltung offenbarte, die einen erschaudern lässt, der für innenpolitische Turbulenzen verantwortlich ist, wie es sie in der Zweiten Republik noch nicht gegeben hat, der Österreich im Ausland desavouiert hat, ruft untadeligen Experten zu, dass sie sich schämen sollen.

Reue und Rückzug aus der Politik ob des eigenen unentschuldbaren Verhaltens – Fehlanzeige. Nach bekanntem Blau-Muster wird auf andere gezeigt.

Sein Nachfolger an der Parteispitze macht das ebenfalls. Sollte Strache sein EU-Parlamentsmandat annehmen, werde er so lange keine FPÖ-Funktion innehaben, bis „die Umstände rund um das Ibiza-Video“ aufgeklärt seien, sagt Norbert Hofer. Also nicht der, der all das Unsägliche von sich gegeben hat, ist der Übeltäter; Bösewichte sind jene, die es dokumentiert haben.

Man stelle sich vor, ein hochrangiger Vertreter einer anderen Partei wäre derart überführt worden wie Strache – Zeter und Mordio hätten die Freiheitlichen geschrieen. Und das täten sie noch immer.

Wider die „Heimatverräter“ hieße es wohl. Wider die „Alt- und Systemparteien“, aus deren Reihen sich auch noch einer erdreiste, auf ein sattes Abgeordnetengehalt zu spitzen. Straches Anhänger würden das beklatschen – und einander überbieten mit Empörungsbekundungen. Sauerei, Frechheit, Skandal!

Im tatsächlichen Fall passiert das Gegenteil. Mit Vorzugsstimmen haben sie Strache bedacht; zum Durchhalten animieren sie ihn. Ein Paradoxon.

Viele haben sich den Freiheitlichen zugewandt, weil sie sich damit auch bei den „Anständigen und Fleißigen“ wähnten. Schon durch die Praktiken bei Hypo & Co wurde veranschaulicht, dass das Handeln der Führungsriege der Eigen-PR nicht entspricht. Jetzt müssten sich die Gutgläubigen erst recht getäuscht und hintergangen fühlen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: screenshot youtube / Quelle: TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" von Karin Leitner
24.09.2018

Lippenbekenntnis ist zu wenig

Sind führende Sozialdemokraten nicht von Sinnen, dann beteuern sie nicht nur, hinter Neo-Chefin Pamela Rendi-Wagner zu stehen Sind führende Sozialdemokraten nicht von Sinnen, dann beteuern sie nicht nur, hinter Neo-Chefin Pamela Rendi-Wagner zu stehen

Sind führende Sozialdemokraten nicht von Sinnen, dann beteuern sie nicht nur, hinter Neo-Chefin Pamela Rendi-Wagner zu stehen. Dann tun sie das auch.

Das Lob der Parteigranden ist groß für die Neue an der Spitze. Einer wie der andere beteuert, Kerns Nachfolgerin zu unterstützen. Nur eine aus der SPÖ-Riege warnt die Gesinnungsfreunde auch öffentlich, AK-Chefin Renate Anderl. Es solle nicht nur jetzt gesagt werden, hinter Pamela Rendi-Wagner zu stehen, das müsse fortan auch so sein. Wiener Rote hatten ja Doris Bures als Frontfrau gewollt.

Vor allem mächtige SPÖler wie Bürgermeister Michael Ludwig sind gut beraten, dem Lippenbekenntnis Taten folgen zu lassen, damit es nicht weiter bergab geht mit seiner Partei. In der Hauptstadt wird spätestens 2020 gewählt; eine schwache Bundespartei kann Ludwig dafür nicht brauchen. Erfangen kann sich diese nur, wenn Schluss ist mit Querschüssen wie jenen in Sachen Migrationspolitik, wenn Schluss ist mit Intrigen und Falschspielerei. Was Kern verabsäumt hat, als er SPÖ-Chef wurde, wird Rendi-Wagner tun müssen: Vertrauensleute um sich scharen. Das umso mehr, als sie der SPÖ erst vor eineinhalb Jahren beigetreten ist.

Sie kennt deren Mechanismen nicht, hat keine Hausmacht. Vor allem Bures wird als Verbündete vonnöten sein. Rendi-Wagners Vorteil: Sie ist unbelastet von der roten Vergangenheit. Mit ihr kann das signalisiert werden, was Kern der Partei verordnet hat: sich zu öffnen – mit der Hoffnung auf Zuspruch abseits klassischer Klientel, jenem von Urbanen, Grün- oder NEOS-Affinen. Rendi-Wagner soll ja auch Spitzenkandidatin bei der Nationalratswahl sein. Leadership hat sie nun zu zeigen – und dass sie Politik kann. Dass sie sich vom Oppositionsdasein nicht zermürben lässt. Dass sie der Regierung mehr entgegenzuhalten hat als Keppelei. Eine Mammutaufgabe für eine Frau in einer Partei, in der bis dato nur Männer das Sagen hatten.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Von SPÖ Presse und Kommunikation - CC BY-SA 2.0 / Quelle: Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von Karin Leitner
02.07.2018

So sieht Geheimplan für EU-Asylzentren aus

Flüchtlinge sollen nach der Rettung auf See nicht wie bisher nach Europa, sondern in Anlandezentren in Nordafrika gebracht werden. Flüchtlinge sollen nach der Rettung auf See nicht wie bisher nach Europa, sondern in Anlandezentren in Nordafrika gebracht werden.

Der Tageszeitung ÖSTERREICH wurde aus EU-Kreisen jenes Geheimdokument zugespielt, das beim Asylgipfel in Brüssel vom UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) und der Organisation für Migration (IOM) den Staats- und Regierungschefs präsentiert wurde.

In dem mehrseitigen Dokument schlüsseln UNHCR-Chef Filippo Grandi und IOM-Generaldirektor William Swing detailliert auf, wie die sogenannten Anlandezentren, auf die sich die EU-Chefs geeinigt haben, in Zukunft aussehen werden. Die Pläne der Migrationsexperten sehen vor:

- Flüchtlinge sollen nach der Rettung auf See nicht wie bisher nach Europa, sondern in Anlandezentren in Nordafrika gebracht werden.

- Die Anlandeplattformen werden als Container- und Zeltstädte konzipiert.

- Die Anlandezentren müssen "höchsten UNHCR-Standard" haben und "Sicherheit bieten".

- Vorgesehen ist medizinische und psychologische Betreuung durch geschultes Personal.

- Sauberes Trinkwasser, Verpflegung und Kinderbetreuung müssen gewährleistet sein.

- Geplant sind Abteilungen zur biometrischen Registrierung nach UNHCR-Standard.

Nach den Plänen Österreichs sollen in den Zentren keine Asylanträge gestellt werden. Die UNHCR lehnt das ab. Tatsächlich Schutzbedürftige sollen aus diesen Camps weiterreisen dürfen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Dragan Tatic / Bundesministerium für Europa, Integration und Äusseres, CC BY 2.0
07.10.2019

Eine mühsame Partnersuche

Anders als vor zwei Jahren hat Kurz zwar viele Koalitionsvarianten, aber noch kein klares Ziel vor Augen.Er weiß, dass es genügend Parteifreunde gibt, vor allem im Westen, die ein Bündnis mit den Grünen bevorzugen. Anders als vor zwei Jahren hat Kurz zwar viele Koalitionsvarianten, aber noch kein klares Ziel vor Augen.Er weiß, dass es genügend Parteifreunde gibt, vor allem im Westen, die ein Bündnis mit den Grünen bevorzugen.

ÖVP-Grün wird ein hoher Charmefaktor zugesprochen. Im Wartesaal sitzen die Blauen. Zudem könnte Kurz eine Minderheitsregierung wagen. Je länger verhandelt wird, desto wahrscheinlicher könnten diese Varianten werden.

Vor zwei Jahren nannte Sebastian Kurz das Sondieren mit den anderen Parteichefs „Annäherungsgespräche“. Doch für alle Beteiligten war klar: Der junge ÖVP-Obmann wollte ein Bündnis mit der FPÖ schmieden. So kam es auch. Nach nur 64 Tagen war der Koalitionsvertrag ausverhandelt. Angelegt war der Pakt auf zwei Legislaturperioden. Nach 18 Monaten war es vorbei. Das Scheitern führte in die Neuwahl, die die ÖVP mit großem Vorsprung für sich entscheiden konnte. Trotz dieses Wahlerfolges werden die Koalitionsverhandlungen dieses Mal viel mühsamer werden.

Anders als vor zwei Jahren hat Kurz zwar viele Koalitionsvarianten, aber noch kein klares Ziel vor Augen.Er weiß, dass es genügend Parteifreunde gibt, vor allem im Westen, die ein Bündnis mit den Grünen bevorzugen. Er weiß, dass er auf der europäischen Ebene bei einer Koalition mit den Grünen viel an Applaus ernten würde. Er weiß aber auch, dass sich zwischen diesen beiden Parteien ein tiefer Graben befindet.

Dem Taktiker Kurz ist zuzutrauen, dass er zwar ernsthaft mit den Grünen verhandelt, aber gleichzeitig alles versuchen wird, der Ökopartei die Schuld zu geben, sollten die Verhandlungen scheitern, weil die Brücken, die von beiden Seiten gebaut worden sind, nicht tragfähig waren. Sollte also der Charmefaktor für ein Bündnis zwischen den Konservativen und die Grünen nicht ausreichen, hat Kurz noch immer gute Karten.

Und zwar für zwei Varianten, die am Beginn der Verhandlungen nur eine theoretische Überlegung sind: entweder doch eine Neuauflage der rechtskonservativen Regierung oder eine Minderheitsregierung. Die Erzählung für beide Varianten ist in groben Zügen fertig. Sie könnte so lauten: Er, Kurz, sondierte zwar mit den Roten, aber dort scheint kein Geist für Veränderungen vorhanden zu sein. Er verhandelte mit den Grünen, doch der Forderungskatalog der Kleinpartei war schlichtweg überzogen.

Die FPÖ könnte derweil die Wochen genützt haben, um sich neu aufzustellen. Die Schnittmenge zwischen ÖVP und FPÖ ist sowieso am größten. Auch das weiß Kurz. Doch wenn er schon das Risiko sucht, warum nicht gleich eine mit Experten aufgefettete Minderheitsregierung bilden? Er könnte einem aufgewerteten Parlamentarismus das Wort reden, könnte es eine Zeit lang mit wechselnden Mehrheiten versuchen. Und sollte er gestürzt werden? Dann hat er bei einer Neuwahl schon wieder die besseren Karten.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn / TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel von Michael Sprenger
21.05.2019

Erklärung von Bundesministerin Karin Kneissl

Auf Vorschlag der FPÖ bin ich als unabhängige Expertin in diese Bundesregierung, die hervorragende Arbeit geleistet hat, eingetreten. Der Freiheitlichen Partei Österreichs danke ich für das in mich gesetzte Vertrauen. Auf Vorschlag der FPÖ bin ich als unabhängige Expertin in diese Bundesregierung, die hervorragende Arbeit geleistet hat, eingetreten. Der Freiheitlichen Partei Österreichs danke ich für das in mich gesetzte Vertrauen.

Die Ereignisse der vergangenen Tage und den Rücktritt meiner Ministerkollegen sehe ich mit großem Bedauern.

Auf Vorschlag der FPÖ bin ich als unabhängige Expertin in diese Bundesregierung, die hervorragende Arbeit geleistet hat, eingetreten. Der Freiheitlichen Partei Österreichs danke ich für das in mich gesetzte Vertrauen.

In meiner Funktion als Außenministerin habe ich mich mit ganzer Kraft als unabhängige Expertin für die Vertretung Österreichs in aller Welt eingesetzt. In der Ausübung meines Amtes war ich stets von den Interessen unserer Republik geleitet.

Auf die geopolitischen Veränderungen habe ich mit einem Asien-Schwerpunkt reagiert, um Österreichs Beziehungen zu China, Indien und den weiteren aufstrebenden Ländern der Region zu intensivieren. Um den gegenwärtigen Zustand der Sprachlosigkeit zu überwinden, konnten wir mit Russland, von Bundespräsident Alexander Van der Bellen beauftragt, den zivilgesellschaftlichen Sotschi-Dialog initiieren. Mit den USA haben wir einen strategischen Dialog aufgenommen, der unsere Zusammenarbeit, beginnend bei der Stabilität Südosteuropas, über die Cyber-Sicherheit, bis hin zur wissenschaftlichen Kooperation, verstärken soll.

Anknüpfend an unsere jahrzehntelange Tradition habe ich die Initiative ergriffen, beginnend im Nordosten Syriens die humanitäre Entminung voranzutreiben. Gemeinsam mit internationalen Partnern ist es unser Ziel, durch eine minenfreie Umgebung die Grundvoraussetzung für freiwillige Rückkehr der Binnenvertriebenen und Flüchtlinge zu schaffen.

Auch mit der Türkei habe ich, unabhängig von der klaren Ablehnung eines EU-Beitritts, einen Neustart in den bilateralen Beziehungen erreicht, der u.a. zur Wiederaufnahme der archäologischen Grabungen in Ephesos beitrug. Besonders freut mich auch die überaus positive Entwicklung in den Beziehungen zu unserem Nachbarn Slowenien und die geplante gemeinsame Einreichung der Lipizzaner-Zucht als immaterielles UNESCO-Kulturerbe.

Auch in der Entwicklungszusammenarbeit und der Integrationspolitik habe ich klare Akzente gesetzt. Es war mir von Anfang an ein großes Anliegen, Frauen als Motor von Entwicklung und von Integration besonders zu fördern. Dem Kampf gegen die Gewalt an Frauen kommt dabei zentrale Bedeutung zu. Das Tabuthema der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) habe ich zum Gegenstand der öffentlichen Debatte gemacht und konkrete Schritte zur Unterstützung der Opfer von FGM gesetzt.

Als unabhängige Expertin fühle ich mich verpflichtet, meinen eingeschlagenen Kurs beizubehalten und unserem Land gerade jetzt weiterhin zur Verfügung zu stehen. Wie von Bundespräsident Alexander Van der Bellen angekündigt, habe ich mich daher entschlossen, meine Funktion als unabhängige Außen- und Integrationsministerin zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Verfügung zu stellen.

Über meinen weiteren Verbleib in dieser Funktion entscheiden in der Folge die dafür in der Verfassung vorgesehenen Organe.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Von Bwag - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
20.03.2019

Finanzminister ruft Expertengruppe zur nationalen Digitalsteuer ein

Finanzminister ruft Expertengruppe zur nationalen Digitalsteuer ein Finanzminister ruft Expertengruppe zur nationalen Digitalsteuer ein

Beim gestrigen erstmaligen Zusammentreffen der Expertengruppe rund um die Digitalsteuer, diskutierten Schlüsselakteure der Medien- und Internetbranche erstmals über die genaue Ausgestaltung der nationalen Digitalsteuer mit Finanzminister Hartwig Löger. Vertreter des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP), des ORF, der Internetoffensive Österreich, des Interactive Advertisting Bureau Austria (IAB) und der Wirtschaftskammer Österreich fanden sich gemeinsam mit Experten aus dem Finanzministerium und Medienministerium für einen nationalen Schulterschluss für mehr Steuergerechtigkeit im BMF ein.

Finanzminister Löger: „Die Zielsetzung ist für uns ganz klar: Wir wollen mehr Steuergerechtigkeit und Wettbewerbsgleichheit zwischen traditioneller und digitaler Wirtschaft. Daher haben wir heute die Meinungen von einer breiten Vielfalt an österreichischen Schlüsselakteuren eingeholt, um eine zielgerichtete Umsetzung gewährleisten zu können. Ich bin zuversichtlich, dass wir bereits in den nächsten Wochen konkrete Ergebnisse liefern können.“

Die Diskussion der Expertengruppe richtete sich dabei auf die Digitalsteuer auf Umsätze im Bereich der Online-Werbung. Als Basis wurde der Ministerratsvortrag vom 11. Jänner herangezogen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: BMF/Bruckberger
03.11.2019

Noch hohe Hürden für Türkis-Grün

Der Weg ist noch weit und mit Hürden gepflastert. Sollte Türkis-Grün aber tatsächlich kommen, würde dies europaweit Aufsehen erregen. Der Weg ist noch weit und mit Hürden gepflastert. Sollte Türkis-Grün aber tatsächlich kommen, würde dies europaweit Aufsehen erregen.

In wenigen Tagen entscheidet sich, ob nach den türkis-grünen Sondierungen die Weichen für Koalitionsgespräche gestellt werden. Die Tendenz geht in Richtung Ja.

Was vor Kurzem (auch noch im Wahlkampf) angesichts der teils extrem weit auseinanderliegenden Positionen als fast unvorstellbar gegolten hat, ist mittlerweile doch zur wahrscheinlichsten Koalitionsvariante geworden: ein Bündnis der türkisen ÖVP unter Ex-Kanzler Sebastian Kurz und den bei der Wahl ebenso siegreichen Grünen unter Werner Kogler.

Das hängt auch mit den für Kurz wenig attraktiven Alternativen zusammen: Die vor allem schon während der letzten gemeinsamen Koalitionsjahre aufgerissenen Gräben zwischen ÖVP und SPÖ sind unter Türkis-Blau nicht gerade kleiner geworden. Und auch der wenig freundliche Kurzauftritt der nach dem Wahlfiasko trudelnden Roten bei den Sondierungen (nach diesem Gespräch beharrte man auf Exklusiv-Verhandlungen) hat das frostige Klima nicht verbessert. Die bei der Wahl noch stärker abgestürzte FPÖ hat sich aufs Koalitions-Wartebankerl begeben.

Diverse Äußerungen von FPÖ-Granden wie Herbert Kickl und vor allem die jüngste Liederbuchaffäre machen eine Neuauflage von Türkis-Blau zurzeit nahezu unmöglich.

Auch wenn eine Einigung zwischen ÖVP und Grünen wohl für beide Seiten extrem schwierig ist (auch weil damit viele gerade gewonnene Wähler enttäuscht zu werden drohen), sind die Sondierungen bisher gut verlaufen.

Zwischen den Parteichefs Kurz und Kogler (und das ist die Grundvoraussetzung) scheint ein Grundvertrauen aufgebaut, zudem zeigen beide Parteien doch echte Verhandlungsbereitschaft.

Der Weg ist noch weit und mit Hürden gepflastert. Sollte Türkis-Grün aber tatsächlich kommen, würde dies europaweit Aufsehen erregen. Und es wäre auch ein Fingerzeig für Deutschland, wo laut Umfragen derzeit andere Konstellationen kaum möglich wären.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: dbn / Quelle: Tiroler Tageszeitung, Leitartikel von ALOIS VAHRNER
04.10.2019

Wahlversprechen

Der erste Gesprächsreigen ist vorbei, allerdings kann man davon ausgehen, dass man noch einige Runden brauchen wird, bevor in der Hofburg eine neue Regierung angelobt werden kann. Und man wird auch noch öfters hören, dass Qualität vor Tempo geht – trotzdem wäre es gut, wenn die Parteien schön langsam aus der Trauerphase kommen und neben der eigenen Befindlichkeit auch über die Gestaltung des Landes reden.

Besonders bei SPÖ und FPÖ drohen die innerparteilichen Querelen zu länger anhaltenden Lähmungserscheinungen zu führen. Schade. Denn durch erfolgreiche Regierungsverhandlungen könnten beide zumindest eines der zentralen Versprechen erfüllen, die sie ihren Wählern im Wahlkampf gegeben haben.

Denn Hofer und Kickl ließen plakatieren, dass sie eine Regierung aus ÖVP und Grünen verhindern wollen. Und der SPÖ war es immer ein Anliegen, dass es nicht noch einmal zu einer türkis-blauen Zusammenarbeit kommt. Um diese Versprechen zu erfüllen, müsste man aber Verantwortung übernehmen.

Und es wäre auch an der Zeit, dass die Politik wieder die Gestaltung übernimmt. Auf Dauer ist das bloße Verwalten zu wenig. Ein Beispiel:

Gestern hat Regierungssprecher Winterstein ein Pressebriefing abgehalten und die Kollegen haben übereinstimmend festgestellt, dass man darüber nichts berichten muss.

Quelle: Oö. Volksblatt: "Wahlversprechen" von Herbert SCHICHO

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn ..
09.09.2019

Hofer schlägt Kompromiss beim Rauchverbot vor

Rauchen ab 20 oder 21 Uhr Rauchen ab 20 oder 21 Uhr

Im Interview für die Sonntagsausgabe der Tageszeitung ÖSTERREICH bekräftigt FPÖ-Chef Norbert Hofer, dass die FPÖ das Rauchverbot in Lokalen kippen wolle, wenn sie wieder Regierungsverantwortung erlangt. Allerdings nicht ganz. Hofer schlägt einen Kompromiss vor: "Unser Vorschlag sieht vor, dass man ab einer gewissen Uhrzeit das Rauchen erlaubt - eben, wenn keine Kinder mehr im Lokal sind." Der FPÖ-Chef denkt dabei an "20 oder 21 Uhr": "Und nur in Bereichen, die vorher als Raucherbereiche definiert wurden."

Das von ihm geforderte Durchgriffsrecht in der Partei bedeute auch, so Hofer, dass "der FPÖ-Chef, wenn etwas passiert, jedes Parteimitglied bei Gefahr in Verzug ausschließen" könne. Der oberösterreichische Landesrat Klinger, der von "Mischkulturen" gesprochen hat, sei dafür kein konkreter Anlassfall. Hofer: "Er gar sich entschuldigt ... Ich habe mich aber schon sehr gewundert über diese Aussage."

Skeptisch zeigt sich Hofer, was eine Kandidatur von Heinz Christian Strache bei der Wien-Wahl betrifft, denn, so bekräftigt er:

"Für mich ist eine Rückkehr kein Thema, solange es rechtliche Probleme rund um das Video gibt." Und da werde sich erst zeigen, ob die Ermittlungen bis Herbst 2020 abgeschlossen werden könnten. Hofer:

"Ich weiß nicht, wie schnell die Justiz handelt - aber knapp wird es auf jeden Fall."

Einen Parteiausschluss seines früheren Parteiobmanns Heinz Christian Strache lehnt Hofer weiter ab: "Es war parteischädigendes Verhalten. Er hat aber davor für die Partei sehr viel geleistet. Deshalb wurde er nicht ausgeschlossen."

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02.09.2019

Heiße Wochen vor und nach der Wahl

Redoutensaal der Wiener Hofburg, aktueller Sitz des Nationalrates Redoutensaal der Wiener Hofburg, aktueller Sitz des Nationalrates

Wahlkampf ist ja seit dem Ibiza-Skandal-bedingten Platzen der türkis-blauen Koalition, vier Wochen vor der Wahl beginnt aber endgültig die heiße Phase. Die Ausgangsposition ist klar, offen ist einiges, vor allem die Koalitionsfrage.

Vier Wochen Intensiv-Wahlkampf mit einer Unzahl an TV-Duellen (ein echter Höhepunkt ist kommenden Donnerstag die via tt.com übertragene Elefantenrunde der Bundesländer-Zeitungen) stehen Österreich ins Haus. 29 Tage, in denen die Parteien den Wählerinnen und Wählern hoffentlich möglichst viele Inhalte zu Zukunftsfragen wie Wohlstand, Sicherheit oder Klimaschutz statt abstoßender Schmutzkübelkampagnen bieten werden.

Seit dem abrupten Aus von Türkis-Blau hat sich die Stimmungslage in der Bevölkerung in den letzten Monaten kaum geändert: Auch in den jüngsten Umfragen liegt die Kurz-ÖVP mit etwa 35 bis 36 Prozent unverändert ganz klar auf Platz eins und auch deutlich über dem Wahlergebnis vor zwei Jahren. Die SPÖ, die Platz eins als Wahlziel ausgegeben hat, liegt je nach Umfrage im Bereich von nur 20 bis 23 Prozent. Sie liegt nicht nur weit hinter der Volkspartei, sondern muss viel eher mit der bei etwa 20 Prozent liegenden FPÖ um Platz zwei rittern. Die Grünen (derzeit elf Prozent) sollten sehr souverän den Parlaments-Wiedereinzug schaffen. Die NEOS liegen bei acht Prozent, während die Liste Jetzt laut allen Umfragen an der 4-Prozent-Hürde scheitern würde.

Platz eins am 29. September scheint für die ÖVP laut allen Experten praktisch einzementiert. Nach momentanem Stand wäre wohl auch keine Koalitionsvariante ohne Türkis möglich. Zudem zeigen sich mit SPÖ, FPÖ, Grünen und NEOS gleich alle vier möglichen Partner zu einer Koalition mit Kurz bereit.

Noch vor wenigen Wochen hatten SPÖ und FPÖ den Kanzler abgewählt. Nun werben die Blauen, nachdem beim Bruch noch heftig Schmutzwäsche ­gewaschen wurde, fast schon peinlich intensiv um eine Regierungs-Neuauflage. Und auch die SPÖ scheint zusehends alte Animositäten gegen Kurz zu verdrängen und sich mit einer Juniorpartner-Rolle anzufreunden.

Wohin Kurz tendiert, wird er vor der Wahl trotz aller Nachfragen kaum sagen. Inhaltlich wäre eine Einigung mit der FPÖ (der alte Koalitionspakt war bei Weitem nicht abgearbeitet) zwar mit Abstand am leichtesten, nach all den Vorkommnissen, den unappetitlichen rechten „Einzelfällen“ und dem Problemfall Kickl, den er nicht mehr in einer Regierung will, hätte Kurz aber extremen Erklärungsbedarf. Mit der SPÖ droht die alte Leier von Streit, Missgunst und Blockaden.

Und eine Dreierehe mit Grünen und NEOS wäre tatsächlich mutig, aber für alle Beteiligten ein heißer Spagat.

Prognostizierte Wahlsieger haben aber meist ein Problem: die Mobilisierung ihrer Wähler. Und das wird Kurz in den nächsten Wochen wohl noch deutlich mehr beschäftigen.

Dieser Artikel wurde veröffentlicht von dbn .. / Foto: Oktobersonne, CC BY-SA 4.0 / Quelle: TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel von Alois Vahrner

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