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Sonderthema Jänner 2019: Die steirische Formel für Klima und Energie bis 2030
DI Jörg Jandl GmbH
Sonderthema Jänner 2019: Die steirische Formel für Klima und Energie bis 2030

"Die Klimaveränderung findet statt. Das ist längst keine wissenschaftliche Theorie mehr, der Klimawandel ist bereits spürbar und für uns alle merkbar. Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hitzeperioden häufen sich zusehends. Gletscherflächen gehen zurück, Murenabgänge und Überschwemmungen verursachen massive Schäden.

Die Klimaerwärmung ist keine Zukunftsfantasie mehr - sie ist bereits Realität. Die Signale sind deutlich, der Klimawandel ist längst angekommen. Aktuelle Studien belegen uns ganz klar, welche Szenarien auf unser Bundesland zukommen könnten. Wenn wir nicht noch mehr tun, dann wird es bis zur Jahrhundertwende in der Steiermark im Schnitt um 4 Grad wärmer.

Es ist daher an der Zeit, eine konkrete Strategie für den Umgang mit den neuen Herausforderungen zu entwickeln und vorgeschlagene Maßnahmen auch umzusetzen. Für mich als zuständigen Landesrat für Umwelt und Erneuerbare Energien ist es daher das oberste Ziel, in der Steiermark eine zukunftsfähige Klima- und Energiepolitik zu führen. Mit der Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030 ist es uns gelungen, wegweisende Schwerpunkte zu formulieren um genau dieses Ziel zu erreichen. Die Richtung stimmt - ist die Steiermark doch auf einem guten Weg, das EU-Klimaziel für das Jahr 2020, nämlich die Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um 16 % im Nicht-Emissions-handelsbereich, zu erreichen.

Doch der Weg hin zu einer klimaneutralen Steiermark ist noch ein langer, der von uns viel Konsequenz und Klarheit abverlangt. Es ist unsere Aufgabe, dass unsere Welt auch für kommende Generationen lebens-wert bleibt.

Wir in der „grünen Mark“ werden die dafür notwendigen Möglichkeiten ausschöpfen. Für die Steirerinnen und Steirer, für die Menschen in unserem Land.", sagt Anton Lang Landesrat für Finanzen, Verkehr, Umwelt und Erneuerbare Energien/Klimaschutz,Sport und Tierschutz

Hintergrund für eine gemeinsame Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030

Der Klimawandel und die Frage nach der zukünftigen Energieversorgung sind Themen, die auch die Steiermark betreffen. Neue internationale und nationale Vorgaben, wissenschaftliche Erkenntnisse und globale Trends lassen die Steiermark dabei nicht unberührt. Rasches Handeln ist nun auf allen Ebenen der Gesellschaft gefragt. Daher gilt es, gemeinsam einen strategischen Rahmen für die Steiermark zu setzen, der diese Herausforderungen anspricht und zukunftsweisende Handlungsoptionen darlegt. Die vorliegende Strategie bis zum Jahre 2030 beschreibt daher die Korridore, die den Blick und die Türen in Richtung einer zukunftsfähigen Energie- und Klimapolitik öffnen. Es werden dazu klare Richtungsaussagen getroffen und Schwerpunkte definiert um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden. Die darauf basierenden notwen-digen Maßnahmenpakete werden gesondert in einem eigenen Umsetzungsplan vorbereitet, denn diese sind flexibler zu gestalten und laufend den Anforderungen und Möglichkeiten anzupassen.

Wasserkraftpotenzial

Zum vorhandenen Wasserkraftpotenzial in der Steiermark wurde 2014 von der Energie Steiermark AG in Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark (A14, A15) eine Studie durchgeführt. Darin wurde zunächst das theoretische Abflusslinienpotenzial der Steiermark (14,8 TWh/a) erhoben und daraus das technisch in Wasserkraftwerken nutzbare Potenzial (9,3 TWh/a) abgeleitet. Nach Abzug der mit Stichtag 31. Juli 2012 bereits bestehenden und genehmigten Wasserkraftnutzungen (4 TWh/a) und von jenen Gewässerabschnitten, in denen eine energiewirtschaftliche Nutzung aufgrund gesetzlicher Bestimmungen zum Natur- und Landschaftsschutz weitgehend ausgeschlossen sind (geschütztes Potenzial), sowie von Gewässerabschnitten mit sehr gutem ökolo-gischem Zustand und Abschnitten in hochwertigen Schutzgebieten (Europa- oder Naturschutzgebiete) sowie in Gebieten von besonderer ökologischer Bedeutung (ge-mäß Fachvorschlag der A146), verbleibt in der Steiermark ein ausbaufähiges Restpotenzial für Neubauprojekte von 1,3 TWh/a (4,7 PJ/a). Unter Berücksichtigung, dass bei der Umsetzung von Projekten aufgrund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und verschiedenster lokaler Einschränkungen meist un-genutzte Gewässerabschnitte verbleiben, stuft die Studie das ausbaufähige Restpotenzial für Neubauprojekte in der Steiermark mit rund 800 GWh/a (2,9 PJ/a) ein. Für die Ertüchtigung und Revitalisierung von bestehenden Wasserkraftanlagen kann ein umsetzbares Potenzial von 150 GWh/a (0,5 PJ/a) zusätzlich angenommen werden. Setzt man die mit 31.07.2012 bestehende und genehmigte Wasserkraftnutzung inklusive der genannten Restpotenziale mit der Ende 2015 (Ausgangsdatenlage für die KESS-Ziele) vorhandenen Wassernutzung (3.800 GWh/a8, 13,7 PJ/a) gleich, so verbleibt ein restliches Gesamtpotenzial für die Wasserkraft in der Steiermark mit einem jährlichen Ertrag von knapp 4,0 PJ.

Windkraftpotenzial

Für die Nutzung des Windkraftpotenzials in der Steiermark wurde mit Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 20.06.2013 das „Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie“ (SAPRO Wind) erlassen. Darin wurden zur Umsetzung der Zielsetzungen der Energiestrategie Steiermark 2025 „Vorrangzonen“, „Eignungszonen“ und „Ausschlusszonen“ definiert. Mit Stand Herbst 2016 sind in der Steiermark 81 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 168 MW in Betrieb. Weitere 182 MW sind bereits genehmigt bzw. Genehmigungsverfahren in Bearbeitung. Das Potenzial der im SAPRO Wind definierten Vorrangs- und Eignungszonen ist damit größtenteils ausgenutzt. Durch Repowering (Ausbau der bestehenden Anla-genstandorte) können noch einmal ca. 40 MW lukriert werden. Damit ergeben sich in Summe 390 MW an realisierbarer Windkraftleistung.

Eine Fortschreibung des Entwicklungsprogrammes, wie im SAPRO Wind nach 5 Jahren vorgesehen, steht an. Das technisch vorhandene und unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte nutzbare Windpotenzial in der Steiermark, kann zum Zeitpunkt Herbst 2016 mit einer Leistung von ca. 1 GW abgeschätzt werden. Das ergibt ein Ausbaupotenzial gegenüber dem Stand 2015 (126,7 MW) von 873,3 MW. Bei durchschnittlich 1.750 Volllaststunden (Mittelwert Windkraft Steiermark laut Statistik Austria 2015) bedeutet das einen Ausbau gegenüber dem Stand 2015 von 5,5 PJ pro Jahr. Konkretere Aussagen werden nach Abschluss der geplanten Evaluierung und Weiterführung des Sachprogramms Windenergie möglich sein.

Biomassepotenzial

Das für die Energiegewinnung nutzbare Biomassepotenzial in der Steiermark wird von der Landwirtschaftskammer Steiermark mit gesamt 44,8 PJ pro Jahr eingeschätzt. Der größte Anteil entfällt dabei auf „Biomasse Forst“10 mit 40,0 PJ, was 5.530.000 Festme-tern Holz entspricht. Laugen aus der Papierindustrie sind hier bereits enthalten. Die Potenziale aus der steirischen Forstwirtschaft wurden so angesetzt, dass sowohl die Säge- als auch die Papierindustrie entsprechend versorgt werden können und das Prinzip der Nachhaltigkeit eingehalten wird. Der Anteil von „Biomasse Agrar“ liegt bei 3,75 PJ, was die Vergärung von ca. 2.500 ha Mais und ca. 2.500 ha Elefantengras, Güllemist, Gülle, Getreide und landwirtschaftli-che Reststoffe (Maisstroh etc.) für Biogasanlagen bedeutet. Für „Biotreibstoffe“ wird mit 1,0 PJ ein Wert angesetzt, der in etwa einer Verdoppelung der derzeitigen Bio-dieselproduktion beim Energiepark Mureck entspricht. 2015 wurden in der Steiermark 37,5 PJ aus Biomasse, Laugen, Biotreibstoffen und Biogas gewonnen. Das nutzbare jährliche Restpotenzial beträgt also 7,1 PJ.

Potenzial für Sonnenenergie, Erd- und Umgebungswärme

Das Potenzial für Sonnenenergie, Erd- und Umgebungswärme ist theoretisch wesentlich höher als der Energiebedarf der Steiermark. Technologien wie Photovoltaik, Solarthermie oder Wärmepumpen sind erprobt. Ihr Potenzial ist sehr hoch, der tatsächliche Ausbau ist aber auch abhängig von den Entwicklungen der Rahmenbedin-gungen (Energiekosten, Förderpolitik, EU-Vorgaben, ...). Auch die intelligente Nutzung von vorhandenen Abwärmequellen fällt unter diese Kategorie.Bei der Nutzbarkeit dieses Potenzials gibt es nur wenige technische Hemmnisse wie z.B. Lärmprobleme durch den Betrieb von Luftwärmepumpen. Die Kosten der Energiegewinnung können bei diversen Technologien jedoch zu Einschränkungen führen. So kann beispielsweise vor Baubeginn das Energiepotenzial von Tiefengeothermieanlagen oftmals nur schwer abgeschätzt werden.

 



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Die steirische Formel für Klima und Energie bis 2030

Die Steiermark hat in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass Klimaschutz und Energie Kernthemen der Politik wie auch Verwaltung sind. Dennoch zeigen die aktuellsten Daten, dass für die Zukunft ein hoher Handlungsbedarf gegeben ist, wenn die Steiermark ihren Beitrag zu den internationalen Vereinbarungen leisten will.Um die Zukunft greifbar und im Einklang mit den internationalen Klimaschutz- und Energieanforderungen zu gestalten, wurde die Klima- und Energievision „Eine klimaneutrale und energiesichere Steiermark“ mittels der sogenannten „Die steirische Formel 36/30/40“ bis zum Zieljahr 2030 konkretisiert. Diese Klimaschutz- und Energiezielsetzungen bilden damit den Rahmen der Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030.

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Fotos: dbn / Quelle: Landesregierung Steiermark