Ausgabe 2026/04

14.04.2026

Große Mehrheit lehnt Patente auf Pflanzen ab

Foto: dbn

Große Mehrheit lehnt Patente auf Pflanzen ab

Über 80 Prozent der Europäerinnen und Europäer sprechen sich klar gegen Patente auf Pflanzen und Tiere aus. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage in fünf Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Angesichts der bevorstehenden Abstimmung über neue Regeln zur Gentechnik fordert die Organisation ARCHE NOAH das EU‑Parlament auf, diese deutliche Botschaft der Bevölkerung ernst zu nehmen und Patente auf Pflanzen wirksam zu verbieten.

„Quer durch Europa ist das Bild eindeutig: Die Menschen wollen keine Patente auf Pflanzen“, sagt Katherine Dolan von ARCHE NOAH. Ihrer Ansicht nach entziehen solche Patente den Bürgerinnen und Bürgern die Kontrolle über ihre Ernährung und konzentrieren sie in den Händen weniger großer Konzerne. Die Politik sei daher dringend gefordert, im Interesse der Wählerinnen und Wähler, der Landwirte und Landwirtinnen sowie der mittelständischen Züchtungsbetriebe zu handeln.

Die Umfrage wurde im Auftrag des internationalen Bündnisses „No Patents on Seeds!“ durchgeführt. Befragt wurden jeweils 1.000 Personen in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Polen. Besonders hoch ist die Zustimmung zu der Aussage, dass Vielfalt in der Pflanzenzüchtung und in der Lebensmittelproduktion entscheidend ist: Mehr als 90 Prozent der Befragten unterstützen diese Forderung.

Ein weiterer klarer Trend zeigt sich beim Thema Umweltschutz. Eine große Mehrheit ist der Meinung, dass bei der Patentierung und Marktzulassung gentechnisch veränderter Pflanzen der Schutz der Umwelt einen hohen Stellenwert haben muss. Zudem lehnen 75 Prozent Patente auf Gene ab, die frei in der Natur vorkommen oder zufällig entstanden sind.

Patente auf Pflanzen sichern Konzernen exklusive Rechte auf wichtige Eigenschaften wie Virusresistenzen oder Hitzetoleranz. Kritiker sehen dadurch die klassische Pflanzenzucht massiv gefährdet – auch in Österreich. „Patente zementieren die Macht der dominierenden Saatgutkonzerne und bedrohen die Vielfalt in der Pflanzenzüchtung und der Lebensmittelproduktion“, warnt Katherine Dolan. Diese Einschätzung teilen auch landwirtschaftliche Verbände, Züchtungsorganisationen, Vertreter der Bio‑Branche und kirchliche Institutionen.

Brisant ist das Thema vor allem im Zusammenhang mit der geplanten Abstimmung über die neue sogenannte NGT‑Verordnung. Bereits Mitte Mai könnte das EU‑Parlament den Gesetzestext beschließen. Ursprünglich hatte sich das Parlament dafür ausgesprochen, Patente auf Pflanzen stark einzuschränken. Der aktuelle Kompromiss aus den Verhandlungen zwischen Kommission, Mitgliedstaaten und Parlament enthält jedoch keine entsprechenden Regelungen. Damit wäre auch die klassische, gentechnikfreie Pflanzenzucht betroffen.

In Österreich sprechen sich alle politischen Parteien offiziell gegen die Patentierung von Pflanzen aus. Dennoch sorgt das Verhalten einiger EU‑Abgeordneter für Kritik. Bei einer Abstimmung im Umweltausschuss stimmte aus Österreich nur die NEOS‑Abgeordnete Anna Stürghk für den Kompromiss. Andere Abgeordnete waren nicht anwesend oder ließen sich vertreten.

Die finale Abstimmung im EU‑Parlament dürfte äußerst knapp ausfallen. „Deshalb sind Anwesenheit und Stimmverhalten der österreichischen EU‑Abgeordneten entscheidend für die Zukunft der Landwirtschaft und der mittelständischen Züchtungsbetriebe“, betont Katherine Dolan.

Quelle: Verein ARCHE NOAH

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