Ausgabe 2026/04

13.04.2026

Warnung vor überschätztem Spritspar-Potenzial durch Tempo 100

Foto: dbn

Warnung vor überschätztem Spritspar-Potenzial durch Tempo 100

Angesichts steigender Treibstoffpreise wird in Österreich erneut über eine Senkung des Tempolimits auf Autobahnen und Schnellstraßen von 130 auf 100 km/h diskutiert. Der ÖAMTC dämpft jedoch die Erwartungen an mögliche Einsparungen und spricht von deutlich überschätzten Effekten auf den gesamtwirtschaftlichen Spritverbrauch.

Immer wieder wird argumentiert, ein generelles Tempo 100 könne den Kraftstoffverbrauch in Österreich um bis zu 25 Prozent senken. Diese Zahl hält der Mobilitätsclub für irreführend. Zwar sei unbestritten, dass bei einer einzelnen, konstanten Autobahnfahrt unter Idealbedingungen mit 100 km/h anstelle von 130 km/h tatsächlich Einsparungen in dieser Größenordnung möglich seien. Daraus lasse sich jedoch kein Rückschluss auf den gesamten Spritverbrauch im Land ziehen, betont der ÖAMTC.

Nach Berechnungen des Clubs würde ein generelles Tempolimit von 100 km/h den gesamten Spritverbrauch in Österreich um lediglich rund drei Prozent reduzieren. Auch der Sachstandsbericht Mobilität 2024 des Umweltbundesamtes kommt zu einem ähnlichen Ergebnis und geht von einer Einsparung von etwa vier Prozent der gesamten in Österreich verbrauchten Treibstoffmenge aus.

Als Hauptgrund für die vergleichsweise geringe Wirkung nennt der ÖAMTC die tatsächlich gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Diese lägen auf Autobahnen oftmals deutlich unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Dadurch schrumpfe das potenzielle Einsparungspotenzial erheblich. Zudem entfällt nur etwa ein Drittel des gesamten Pkw-Verkehrs in Österreich auf Autobahnen. Mehr als die Hälfte dieser Fahrten findet wiederum auf Streckenabschnitten statt, auf denen bereits niedrigere Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten.

Weitere Faktoren, die den Effekt eines niedrigeren Tempolimits dämpfen, sind laut ÖAMTC der steigende Anteil von Elektrofahrzeugen sowie der Umstand, dass viele ausländische Fahrzeuge zwar österreichische Straßen nutzen, ihren Treibstoff jedoch außerhalb des Landes tanken.

Statt einer in der Bevölkerung wenig beliebten Absenkung der Tempolimits bringt der Mobilitätsclub daher alternative Maßnahmen ins Spiel. Vorgeschlagen werden unter anderem eine bessere Abstimmung von Ampelschaltungen in Städten nach dem Prinzip der „Grünen Welle“ sowie ein Überholverbot für Lkw auf zweispurigen Autobahnen. Diese Maßnahmen könnten gemeinsam mehr Sprit einsparen als ein allgemeines Tempolimit von 100 km/h für Pkw.

Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben setzt der ÖAMTC weiterhin auf Eigenverantwortung der Autofahrerinnen und Autofahrer. Wer vorausschauend fährt und das Tempo bewusst reduziert, könne den eigenen Kraftstoffverbrauch sofort senken und damit direkte Kosten sparen – ganz ohne neue Gesetze oder behördliche Anordnungen.

Quelle: OEAMTC

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