Ausgabe 2026/07

14.07.2026

Bundesheer: Regierung entschiedet sich für "dümmsten Weg"

Foto: dbn

Bundesheer: Regierung entschiedet sich für "dümmsten Weg"

Die Bundesregierung dürfte am sechsmonatigen Grundwehrdienst festhalten und zusätzlich verpflichtende Milizübungen einführen. Ex-Verteidigungsminister Thomas Starlinger kritisiert diese Lösung scharf: Sie sei teurer, militärisch schwächer und gefährde die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres.

Die Regierung dürfte nach derzeitigen Plänen den sechsmonatigen Grundwehrdienst beibehalten und danach drei Monate verpflichtende Milizübungen einführen. Eine offizielle Verkündung könnte beim Sommerministerrat Ende Juli erfolgen. Die von der Regierung eingesetzte Expertenkommission sieht sich jedoch übergangen, weil ihre Empfehlung offenbar nicht umgesetzt werden soll.
Der frühere Verteidigungsminister Thomas Starlinger, Berufsoffizier und Generalmajor des Bundesheeres, sprach sich im Ö1-„Morgenjournal“ klar gegen politische Kompromisslösungen aus. Aus seiner Sicht brauche es einen längeren Wehrdienst, um Einsatzbereitschaft und Sicherheit Österreichs zu gewährleisten.

Das diskutierte Modell sei laut Starlinger nicht nur militärisch problematisch, sondern auch deutlich teurer. Grund dafür sei, dass Soldaten nur sechs Monate als Grundwehrdiener mit geringem Sold dienen und während der anschließenden Übungen einen Gehaltsausgleich erhalten müssten. Starlinger bezeichnete den Vorschlag als „sehr schlechten Kompromiss“ und als „höchst verantwortungslos“ gegenüber Soldaten und Bevölkerung.

Starlinger unterstützt stattdessen das Modell „Österreich Plus“, das acht Monate Grundwehrdienst und zwei Monate Übungen vorsieht. Diese Variante war von der Wehrdienstkommission empfohlen worden und gilt ihren Befürwortern als wirksamere Grundlage für Ausbildung und Einsatzfähigkeit.

ÖVP-Wehrsprecher unterstützt Starlingers Kritik
Auch in der ÖVP findet Starlingers Position Zustimmung. Wehrsprecher Friedrich Ofenauer betonte, die Volkspartei stehe beim Wehrdienst klar hinter dem Modell „Österreich Plus“ mit acht Monaten Grundwehrdienst und zwei Monaten Übungen. Zugleich kritisierte er die NEOS, die Starlinger selbst als Experten nominiert hätten und nun dessen Empfehlung nicht folgten.

Im Regierungsprogramm hatten ÖVP, SPÖ und NEOS die Einsetzung einer Heeres-Expertenkommission vereinbart. Dass deren Vorschläge nun offenbar nicht übernommen werden, sorgt bei Befürwortern des 8+2-Modells für Kritik.

Milizverband drängt auf Umsetzung der Expertenempfehlung
Der Milizverband Österreich zeigte sich ernüchtert. Die Regierung solle jene Lösung umsetzen, die ihr von der Expertenkommission vorgeschlagen worden sei, heißt es aus dem Verband.
Aus Sicht des Milizverbands spricht für das 8+2-Modell vor allem die klare Ausbildungslogik: Auf die Basisausbildung in den ersten sechs Monaten folgt eine Truppenausbildung, anschließend soll der Fähigkeitserhalt durch Milizübungen gesichert werden.
Der Verband hofft daher auf eine rasche Entscheidung im Sinne der Kommission. Es gehe nicht nur darum, schnell einen politischen Kompromiss zu finden, sondern eine militärisch tragfähige Lösung zu beschließen.
Aus dem ÖVP-SPÖ-NEOS-Regierungsprogramm: Heeres-Expertenkommission von NEOS mit ÖVP und SPÖ vereinbart. Deren Vorschläge werden nun ignoriert, lautet die Kritik.© Regierungsprogramm
Hintergrund der Debatte ist die geplante Stärkung des Bundesheeres. Rund 55.000 Soldaten, darunter etwa 35.000 Milizsoldaten, sollen im Krisenfall mobilisiert werden können. Ziel ist, dass Grundwehrdiener für solche Einsatzszenarien ausreichend vorbereitet sind.

Forderung nach Abstimmung ohne Klubzwang
Starlinger brachte außerdem eine Abstimmung im Nationalrat ohne Klubzwang ins Spiel. Damit solle sichergestellt werden, dass die aus seiner Sicht bestmögliche Variante beschlossen werde.
Auch die FPÖ kritisierte die Verhandlungen der Bundesregierung. Wehrsprecher Volker Reifenberger sprach von „verantwortungslosem Taktieren“ und verwies auf Starlingers Warnung, wonach sechs Monate Grundwehrdienst nicht ausreichten, um Soldaten auf komplexe Einsatzszenarien vorzubereiten.

Kritik an den NEOS
Besonders die NEOS stehen in der Kritik, weil sie Starlinger ursprünglich in die Wehrdienstkommission nominiert hatten. Kritiker halten es für widersprüchlich, zunächst auf seine Expertise zu setzen und die daraus abgeleiteten Empfehlungen später nicht zu unterstützen.
Die NEOS gelten dem Vernehmen nach als Befürworter eines Berufsheeres. Im Regierungsprogramm hatten sie jedoch gemeinsam mit ÖVP und SPÖ der Expertenkommission zugestimmt. Genau daran machen die Befürworter des 8+2-Modells nun ihre Kritik fest.
Ob die Regierung am erwarteten Kompromiss festhält oder die Empfehlung der Kommission doch noch aufgreift, dürfte sich spätestens beim Sommerministerrat Ende Juli zeigen.

Quelle: OE24

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