14.07.2026
Foto: dbn
Noch vor wenigen Jahren galt OnePlus als einer der spannendsten Aufsteiger der Smartphone‑Branche. Die Geräte waren schnell, günstig und zielten klar auf Technikbegeisterte, die Premium‑Leistung ohne Premium‑Preis suchten. Doch heute zeigt sich ein anderes Bild: Die Marke kämpft mit sinkenden Verkaufszahlen, internen Umstrukturierungen und einem Identitätsverlust, der ihre Zukunft ernsthaft infrage stellt.
Aktuelle Marktanalysen zeigen, dass der globale Marktanteil von OnePlus auf 0,9 % gefallen ist, während die Auslieferungen in Indien – dem wichtigsten Absatzmarkt – um 30,5 % eingebrochen sind . Für eine Marke, die einst als „Flagship‑Killer“ gefeiert wurde, ist das ein dramatischer Rückgang.
Der langsame Verlust der Eigenständigkeit
Ein zentraler Grund für die Krise liegt in der immer engeren Verzahnung mit dem Mutterkonzern Oppo. Branchenberichte deuten darauf hin, dass Oppo eine größere Restrukturierung plant, die OnePlus teilweise integrieren oder sogar auflösen könnte .
Damit droht der Marke das, was viele Fans seit Jahren befürchten: das Ende ihrer Unabhängigkeit. Schon jetzt ähnelt das einst gefeierte OxygenOS stark Oppos ColorOS – ein Symbol dafür, wie die einstige Identität zunehmend verwischt.
Produktchaos und abgesagte Modelle
2026 war für OnePlus ein Jahr voller Turbulenzen. Mehrere geplante Geräte – darunter das OnePlus Open 2 und das OnePlus 15s – wurden überraschend gestrichen. Laut Branchenberichten könnten diese Modelle künftig sogar unter Oppo‑Branding erscheinen, um Überschneidungen zu vermeiden .
Gleichzeitig versucht OnePlus mit neuen Serien wie der „Turbo‑Reihe“ gegenzusteuern. Doch die Strategie wirkt eher wie ein hektischer Versuch, verlorenen Boden gutzumachen, als wie ein klarer Zukunftsplan.
Wirtschaftlicher Druck und Marktveränderungen
Auch wirtschaftliche Faktoren belasten die Marke. Der Smartphone‑Markt in Indien – traditionell ein Kernmarkt für OnePlus – schrumpft laut Prognosen um mehrere Prozentpunkte, was die Verkaufszahlen zusätzlich drückt .
Zudem stagnieren die Umsätze: Von 5 Mrd. US‑Dollar im Jahr 2024 ist das Wachstum ins Stocken geraten, was die finanziellen Spielräume für Innovationen einschränkt .
Konkurrenz, die schneller und klarer agiert
Während OnePlus mit internen Problemen kämpft, ziehen andere Marken vorbei. Samsung, Apple, Google und Xiaomi dominieren das Premium‑Segment, während Nothing – gegründet von OnePlus‑Mitgründer Carl Pei – die Enthusiasten‑Community mit mutigem Design und klarer Markenbotschaft anspricht.
OnePlus hingegen wirkt, als habe es den Anschluss verloren: zu viele Modelle, zu wenig klare Linie, zu wenig Begeisterung.
Fazit: Eine Marke am Scheideweg
OnePlus steht heute dort, wo einst andere ambitionierte Smartphone‑Marken standen: an der Grenze zwischen Neuanfang und Bedeutungslosigkeit. Die Kombination aus sinkenden Verkaufszahlen, abgesagten Produkten, Verlust der Markenidentität und möglicher Integration in Oppo lässt den Schluss zu, dass OnePlus bald nur noch als Name in der Smartphone‑Geschichte existieren könnte.
Ob die Marke sich noch einmal fängt, hängt davon ab, ob sie ihre Wurzeln – Innovation, Community, klare Vision – wiederentdeckt. Doch die Zeit läuft.