Ausgabe 2026/08

14.08.2026

Airfryer im Test: Das fettarme Küchenversprechen hat Grenzen

Foto: dbn ki-generiert

Airfryer im Test: Das fettarme Küchenversprechen hat Grenzen

Heißluftfritteusen gelten als moderne Antwort auf Pommes, Hendl und Kuchen aus der Küche: schneller, sauberer, gesünder. Ein aktueller Test des Vereins für Konsumenteninformation zeigt jedoch, dass die Geräte zwar oft solide arbeiten, aber keineswegs alle Erwartungen erfüllen. Vor allem bei großen Portionen, Reinigung, Lautstärke und Energieverbrauch lohnt sich ein genauer Blick.

Der VKI hat im Rahmen eines internationalen Gemeinschaftstests 51 Airfryer geprüft. Auf den ersten Blick fällt das Ergebnis freundlich aus: 39 Modelle wurden mit „gut“ bewertet, 12 mit „durchschnittlich“, durchgefallen ist keines. Doch gerade diese Bilanz sollte Verbraucherinnen und Verbraucher nicht zu vorschnellen Käufen verleiten. Denn ein „gutes“ Gesamtergebnis bedeutet nicht, dass jedes Gerät im Alltag überzeugt – und schon gar nicht, dass teurere Modelle automatisch besser sind.

Preis sagt wenig über Alltagstauglichkeit
Getestet wurden kompakte Einkorb-Geräte, Dual-Airfryer und Multifunktionsgeräte mit Zusatzfunktionen wie Dampfgar- oder Multikocherprogrammen. Der Durchschnittspreis lag bei 151 Euro, die Hälfte der Modelle kostete weniger als 130 Euro. Bemerkenswert ist: Das teuerste Gerät im Test kam auf 329 Euro und wies zugleich den höchsten Energieverbrauch auf. Wer also glaubt, ein hoher Preis garantiere automatisch bessere Leistung oder mehr Effizienz, wird durch den Test eines Besseren belehrt.

Volle Körbe, schwache Pommes
Besonders deutlich werden die Grenzen der Geräte bei maximaler Befüllung. Hendlkeulen und Schokoladekuchen gelangen den meisten Modellen zwar problemlos, bei Quiche Lorraine, Aufbackbrötchen und vor allem bei Pommes Frites in voller Menge zeigte sich jedoch ein anderes Bild. Nur ein einziges Gerät schaffte die maximale Portion Pommes „sehr gut“, acht weitere erreichten immerhin ein „gut“. Damit bleibt die Heißluftfritteuse bei einem ihrer wichtigsten Versprechen angreifbar: Sie soll knusprige Ergebnisse liefern, tut das aber häufig nur dann zuverlässig, wenn der Korb nicht zu voll ist.

Für Haushalte mit mehreren Personen kann das zur praktischen Ernüchterung führen. Zwei Durchgänge mit halb gefülltem Korb bringen oft bessere Ergebnisse als eine volle Ladung – kosten aber Zeit und unter Umständen auch mehr Energie. Die klassische Fritteuse wirkt hier weniger modern, liefert bei voller Beladung aber häufig konstantere Resultate.

Gesünder heißt nicht automatisch unproblematisch
Auch das Gesundheitsversprechen der Airfryer verdient eine nüchterne Betrachtung. Zwar wird meist deutlich weniger Fett verwendet als in einer klassischen Fritteuse. Doch beim starken Erhitzen stärkehaltiger Lebensmittel kann weiterhin Acrylamid entstehen. Entscheidend sind Temperatur, Garzeit, Wassergehalt und Bräunungsgrad. Pommes sollten daher eher goldgelb als dunkelbraun aus dem Gerät kommen. Wer selbst geschnittene Erdäpfel verarbeitet, sollte sie vor dem Garen wässern und anschließend gut abtrocknen.

Hinzu kommen praktische Schwächen, die im Werbeversprechen oft untergehen. Kleine Geräte arbeiten bei kleinen Portionen zwar meist sparsamer als ein Backrohr. Werden jedoch größere Mengen oder mehrere Durchgänge nötig, kann der Backofen die effizientere Wahl sein. Auch die Reinigung fällt nicht immer so unkompliziert aus, wie es Prospekte nahelegen: Glänzende Gehäuse und schwer zugängliche Rillen verursachen zusätzlichen Aufwand. Nur 14 Geräte erhielten bei der Reinigung ein „gutes“ oder „sehr gutes“ Urteil. Bei der Lautstärke fielen 16 Modelle unangenehm auf – ein nicht zu unterschätzender Punkt in offenen Wohnküchen.

Fazit: Nützlich, aber kein Wunderapparat
Der Airfryer ist ein praktisches Küchengerät – aber kein Ersatz für kritisches Konsumverhalten. Wer nur kleine Portionen zubereitet, wenig Fett verwenden möchte und die passende Gerätegröße wählt, kann profitieren. Wer jedoch große Mengen, leise Geräte, einfache Reinigung und niedrigen Energieverbrauch erwartet, sollte vor dem Kauf genau vergleichen. Der VKI-Test zeigt vor allem eines: Der Hype um Heißluftfritteusen ist berechtigt, aber begrenzt. Nicht jedes Modell hält im Alltag, was die Werbung verspricht.

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