Ausgabe 2026/08

14.08.2026

Dürre bringt Bauern unter Druck – doch die Debatte greift zu kurz

Foto: dbn

Dürre bringt Bauern unter Druck – doch die Debatte greift zu kurz

Von der ausgedörrten Wiese zur politischen Botschaft: Bauernbund-Präsident Georg Strasser warnt vor den Folgen der Dürre für Österreichs Landwirtschaft. Seine Kritik an pauschalen Schuldzuweisungen ist nachvollziehbar – blendet aber aus, dass auch die Landwirtschaft selbst Teil einer notwendigen Klimadebatte bleiben muss.

Die Bilder sind eindrucksvoll: Wo auf dem Hof von Bauernbund-Präsident Abg. z. NR DI Georg Strasser in Nöchling normalerweise Futter für Kühe wächst, ist heuer kaum noch Grün zu sehen. Die Wiese ist verdorrt, der Boden trocken, der Ertrag fällt aus. Was Strasser auf seinem Betrieb zeigt, steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Bauernfamilien in Österreich derzeit hart trifft.

Die Folgen der anhaltenden Trockenheit sind gravierend: Wiesen und Äcker vertrocknen, Ernten bleiben unter den Erwartungen, auf tierhaltenden Betrieben wird das Futter knapp. Für viele Höfe bedeutet das nicht bloß geringere Einnahmen, sondern eine existenzielle Belastung. Steigende Kosten, unsichere Erträge und die Sorge um die Versorgung der Tiere verschärfen die Lage zusätzlich.

Strasser beschreibt den Klimawandel deshalb nicht als abstrakte Zukunftsfrage, sondern als tägliche Realität auf Äckern, Wiesen und in Ställen. Diese Einschätzung ist kaum zu bestreiten. Die Landwirtschaft gehört zu jenen Bereichen, die Wetterextreme besonders unmittelbar spüren. Wenn Futterflächen ausfallen, geraten ganze Betriebsabläufe ins Wanken.

Zwischen berechtigter Klage und politischer Abwehr
Gleichzeitig nutzt Strasser die Dürre auch für eine politische Botschaft. Er wehrt sich dagegen, dass Bäuerinnen und Bauern in der Klimadebatte pauschal als Schuldige dargestellt würden. Diese Kritik trifft einen wunden Punkt: Wer die Leistungen landwirtschaftlicher Familienbetriebe ignoriert, macht es sich zu einfach. Viele Betriebe arbeiten unter hohem Druck, bewirtschaften Kulturlandschaften, pflegen Böden und sorgen für Lebensmittel aus heimischer Produktion.

Doch ebenso problematisch wäre es, die Landwirtschaft aus der Verantwortung zu entlassen. Klimaschutz ist keine Frage von Schuld allein, sondern von Strukturen, Anreizen und zukünftigen Produktionsweisen. Wer zu Recht Unterstützung für betroffene Betriebe fordert, muss sich auch der Frage stellen, wie Landwirtschaft widerstandsfähiger, ressourcenschonender und klimafitter werden kann.

Leistungen sind real – aber kein Freibrief
Der Bauernbund verweist auf konkrete Leistungen: Die Treibhausgasemissionen der österreichischen Landwirtschaft seien seit 1990 um knapp 16 Prozent gesunken. Mehr als 80 Prozent der Betriebe nehmen am Agrarumweltprogramm ÖPUL teil. Zwischenfrüchte auf rund 270.000 Hektar sollen Böden schützen, Humus aufbauen und Kohlenstoff speichern. Rund 240.000 Hektar werden als Naturschutz- und Biodiversitätsflächen bewirtschaftet.

Diese Zahlen zeigen: Viele Betriebe leisten tatsächlich mehr, als in öffentlichen Debatten oft wahrgenommen wird. Blühflächen, Streuobstwiesen, Feuchtwiesen und Trockenrasen sind wichtige Lebensräume. Bodenbedeckung und Humusaufbau können helfen, landwirtschaftliche Flächen widerstandsfähiger zu machen.

Trotzdem ersetzen solche Maßnahmen keine umfassende Klimastrategie. Die Dürre zeigt, dass Anpassung und Vorsorge schneller und konsequenter vorangetrieben werden müssen. Es reicht nicht, auf bisherige Fortschritte zu verweisen, wenn Extremwetterereignisse häufiger und heftiger werden. Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob die Landwirtschaft Teil des Problems oder Teil der Lösung ist – sie ist beides zugleich.

Hilfe ja – aber mit Perspektive
Dass besonders betroffene Betriebe rasch und unbürokratisch Unterstützung brauchen, ist angesichts der Dürre nachvollziehbar. Wenn Futter fehlt und Ernten ausfallen, darf Hilfe nicht an komplizierten Verfahren scheitern. Die heimische Lebensmittelversorgung hängt auch davon ab, ob bäuerliche Familienbetriebe Krisen überstehen können.

Doch kurzfristige Hilfe allein wird nicht reichen. Österreichs Agrarpolitik steht vor der Aufgabe, Betriebe nicht nur nach Katastrophen zu stützen, sondern sie langfristig auf Trockenheit, Hitze und unsichere Erträge vorzubereiten. Dazu gehören Fragen der Wassernutzung, der Bodenbewirtschaftung, der Fruchtfolgen, der Tierhaltung und der wirtschaftlichen Absicherung.

Strassers Appell gegen pauschale Schuldzuweisungen ist also berechtigt. Er darf aber nicht dazu führen, dass notwendige Debatten abgewehrt werden. Wer die Bauernfamilien ernsthaft unterstützen will, muss beides tun: ihre aktuelle Not anerkennen und zugleich offen darüber sprechen, wie Landwirtschaft in Zeiten der Klimakrise verändert werden muss.

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