Ausgabe 2026/08

14.08.2026

FORSTINGER schreibt wieder schwarze Zahlen

Foto: Christian Dusek / Forstinger

FORSTINGER schreibt wieder schwarze Zahlen

Nach schwierigen Jahren sieht sich FORSTINGER wieder auf Kurs: Das Unternehmen rechnet für 2026 mit einem klar positiven operativen Ergebnis. Geschäftsführer Rudolf Bayer spricht von einer gelungenen Rückkehr in die Gewinnzone.

Werkstattgeschäft als Hoffnungsträger
Als wichtigster Wachstumstreiber gilt der Werkstättenbereich. Der Service-Anteil am Umsatz soll von 8 Prozent vor zwei Jahren auf zuletzt 15 Prozent und aktuell 18 Prozent gestiegen sein. FORSTINGER begründet diese Entwicklung mit der Kombination aus Zubehör, Ersatzteilen und Fachwerkstattleistungen sowie mit transparenten Fixpreisangeboten. Gerade in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten kann ein klar kalkulierbarer Preis für Kunden attraktiv sein. Kritisch bleibt jedoch, dass Prozentwerte allein noch wenig über die absolute Ertragskraft aussagen. Ob der Werkstattbereich langfristig ausreichend Margen liefert, um das gesamte Unternehmen zu stabilisieren, lässt sich aus den vorgelegten Angaben nicht beurteilen.

Expansion trotz striktem Kostenkurs
Parallel zur Ergebnisverbesserung plant FORSTINGER den Ausbau und die Optimierung seines Filial- und Werkstättennetzes. Besonders ehemalige oder aufgelassene Autohäuser sollen übernommen oder gemietet werden. Beispiele dafür sind Standorte in Neunkirchen, Wien-Floridsdorf und Baden. Das Konzept wirkt pragmatisch: bestehende Infrastruktur nutzen, Schauräume in Shops umwandeln und Werkstätten mit zwei bis vier Arbeitsplätzen weiterführen. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsfeld: Wer einerseits striktes Kostenmanagement betont, andererseits neue Standorte sucht, muss zeigen, dass Expansion nicht erneut zur Belastung wird. Entscheidend wird sein, ob die neuen Flächen rasch profitabel arbeiten und ob ausreichend qualifiziertes Personal verfügbar ist.

Bayer verweist zudem auf fehlende Nachfolgelösungen bei vielen kleineren Autohäusern, deren Eigentümer vor dem Ruhestand stehen. Für FORSTINGER könnte sich daraus eine Gelegenheit ergeben, Standorte vergleichsweise günstig zu übernehmen. Für die Branche ist das aber auch ein Hinweis auf strukturelle Probleme: kleinere Betriebe kämpfen mit Nachfolgefragen, Investitionsdruck und verändertem Kundenverhalten. FORSTINGER versucht, daraus ein Geschäftsmodell zu machen. Ob daraus eine nachhaltige Wachstumsstrategie entsteht oder lediglich eine kurzfristige Konsolidierungschance genutzt wird, bleibt vorerst offen.

Fest steht: Die Rückkehr in die Gewinnzone ist für FORSTINGER ein wichtiges Signal. Doch ein echter Turnaround misst sich nicht nur an einem positiven operativen Ergebnis, sondern an seiner Beständigkeit. Für Kunden zählen Preis, Qualität und Verlässlichkeit; für das Unternehmen zählen zugleich Margen, Personal, Standortkosten und die Fähigkeit, das Werkstattgeschäft weiter auszubauen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob FORSTINGER tatsächlich dauerhaft neu aufgestellt ist – oder ob der aktuelle Erfolg vor allem das Ergebnis günstiger Marktbedingungen und konsequenter Kostendisziplin bleibt.

zurück