Ausgabe 2026/08

14.08.2026

MA 11 unter Erklärungsdruck: Wenn pädagogische Maßnahmen wie Luxusreisen wirken

Foto: dbn ki-generiert

MA 11 unter Erklärungsdruck: Wenn pädagogische Maßnahmen wie Luxusreisen wirken

Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe MA 11 steht erneut im Zentrum einer öffentlichen Debatte. Nach Medienberichten über Auslandsaufenthalte für jugendliche Intensivtäter und sogenannte Problemkinder wächst der Druck auf die zuständige Neos-Stadträtin Bettina Emmerling. Im Raum stehen nicht nur Fragen nach Kosten und Wirksamkeit, sondern vor allem nach Transparenz im Umgang mit besonders sensiblen Maßnahmen.

Bekannt wurde, dass Jugendliche in der Obhut der MA 11 seit Jahren auch für mehrwöchige Aufenthalte im Ausland betreut werden sollen – darunter Ziele wie Madeira, skandinavische Länder und weitere europäische Destinationen. Offiziell wird dies als pädagogische Maßnahme beschrieben: Kinder und Jugendliche, die intensive Betreuung benötigen, sollen aus ihrem belastenden Umfeld herausgenommen und stabilisiert werden. Doch genau an diesem Punkt beginnt die Kritik.

Sabine Keri, Familiensprecherin der Wiener Volkspartei, wirft der MA 11 mangelnde Offenheit vor. Weder konkrete Kosten noch belastbare Teilnehmerzahlen oder eine wissenschaftliche Evaluierung der Auslandsmaßnahmen lägen vor. Gerade weil niemand bestreite, dass betroffene Kinder intensive Unterstützung brauchen, müsse die Stadt besonders sorgfältig erklären, nach welchen Standards solche Maßnahmen bewilligt, begleitet und überprüft werden.

Die Debatte fällt nicht in ein Vakuum. Bereits die sogenannte Auszeit-WG für junge Intensivtäter war von Fachleuten scharf kritisiert worden. Bemängelt wurden unter anderem Zweifel an der fachlichen Tragfähigkeit des Konzepts, Fragen der Verhältnismäßigkeit und fehlende belastbare Nachweise für die Wirksamkeit. Vor diesem Hintergrund wirken die Auslandsaufenthalte wie ein weiteres Beispiel dafür, dass die MA 11 zwar auf komplexe Problemlagen reagiert, die Öffentlichkeit aber zu selten nachvollziehen kann, warum genau welche Maßnahme gewählt wird.

Besonders heikel ist die öffentliche Wahrnehmung. Wenn Aufenthalte an touristisch klingenden Orten wie Madeira oder in Skandinavien aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, entsteht rasch der Eindruck einer Belohnung für problematisches Verhalten. Dieser Eindruck mag fachlich verkürzt sein, politisch ist er aber hochbrisant. Die Stadt müsste daher umso präziser erklären, weshalb ein solcher Ortswechsel notwendig ist, welche Alternativen geprüft wurden und wie Erfolg oder Misserfolg gemessen werden.

Genau diese Antworten fehlen bislang. Die Forderung nach Offenlegung ist deshalb mehr als parteipolitische Kritik. Es geht um Rechenschaft gegenüber Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern, aber auch um den Schutz jener Kinder und Jugendlichen, die sich in besonders verletzlichen Lebenslagen befinden. Pädagogische Experimente dürfen nicht allein mit guten Absichten begründet werden; sie brauchen klare Konzepte, unabhängige Evaluierung und nachvollziehbare Kontrolle.

Die Wiener Volkspartei kündigt nun eine schriftliche Anfrage an Stadträtin Emmerling an. Spätestens damit wird aus der Debatte um einzelne Auslandsaufenthalte eine grundsätzliche Frage: Wie transparent arbeitet die Wiener Kinder- und Jugendhilfe in jenen Bereichen, in denen öffentliche Kontrolle besonders notwendig wäre? Solange die MA 11 keine belastbaren Zahlen, keine klare Kostenaufstellung und keine wissenschaftliche Bewertung vorlegt, bleibt der Verdacht bestehen, dass die Stadt Wien in einem hochsensiblen Feld mehr erklärt, als sie tatsächlich belegt.

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