14.08.2026
Foto: dbn ki-generiert
Die Debatte über sogenannte Tourismuszonen in Wien ist zurück – und sie wirkt vertraut. Wieder geht es um die Frage, ob Geschäfte an stark frequentierten touristischen Standorten auch sonntags öffnen dürfen. Wieder fordert die Wiener Volkspartei rasches Handeln. Und wieder stehen SPÖ und Neos in der Kritik, notwendige Schritte zu blockieren.
Markus Figl, Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei, spricht von einer längst überfälligen Maßnahme. Dass nun auch die neue Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Margarete Kriz-Zwittkovits, die Forderung nach Tourismuszonen erneuert, wertet Figl als Zeichen für akuten Handlungsbedarf. Aus Sicht der ÖVP sei es unverständlich, dass eine internationale Tourismusmetropole wie Wien ausgerechnet an Sonntagen an zentralen Hotspots wirtschaftliche Möglichkeiten ungenutzt lasse.
Doch so eindeutig, wie die Forderung klingt, ist die Debatte nicht. Während Handel und Tourismus auf zusätzliche Umsätze hoffen, bleiben Fragen nach Arbeitsbedingungen, fairer Entlohnung und der Belastung von Beschäftigten offen. Eine Ausweitung der Sonntagsöffnung kann wirtschaftliche Impulse bringen, sie darf aber nicht allein aus der Perspektive von Standortpolitik und Konsuminteressen betrachtet werden.
Der politische Vorwurf der Volkspartei richtet sich vor allem gegen die rot-pinke Stadtregierung. Besonders die Neos, so Figl, würden zwar wirtschaftsfreundliche Rhetorik pflegen, in der Regierungsverantwortung aber zu wenig liefern. Diese Kritik trifft einen wunden Punkt: Wer Wien als moderne, internationale Stadt vermarktet, muss erklären, warum an stark touristisch geprägten Orten weiterhin starre Regeln gelten.
Gleichzeitig wäre es zu einfach, die Sonntagsöffnung als reine Modernisierungsfrage darzustellen. Die Politik muss klären, welche Standorte tatsächlich touristisch relevant sind, welche Schutzmechanismen für Beschäftigte gelten und wie verhindert wird, dass aus begrenzten Ausnahmen schrittweise eine generelle Sonntagsöffnung entsteht.
Die Debatte zeigt damit weniger einen Mangel an Argumenten als einen Mangel an politischer Entscheidungskraft. Wien braucht eine sachliche Lösung, die wirtschaftliche Chancen nutzt, ohne soziale Standards auszuhöhlen. Solange SPÖ, Neos und ÖVP vor allem bekannte Positionen wiederholen, bleibt die Stadt in einer Grundsatzdebatte stecken, die längst konkrete Antworten verlangen würde.