Ausgabe 2026/09

15.09.2026

KI am Arbeitsplatz: Jeder Sechste trickst den Chef aus

Foto: dbn

KI am Arbeitsplatz: Jeder Sechste trickst den Chef aus

Während Konzerne noch an Richtlinien feilen, ist ChatGPT längst im österreichischen Arbeitsalltag angekommen – nur eben oft durch die Hintertür. Eine neue Umfrage von Tieto Austria und TQS Research & Consulting zeigt: 17 Prozent der Berufstätigen füttern KI-Assistenten, ohne dass der Arbeitgeber davon weiß. Genehmigt und offiziell tun das nur 23 Prozent. Der Rest? Entweder komplett ohne KI – oder im Zwielicht.

Die Zahlen sind eindeutig und ein bisschen peinlich für die Chefetage. Von 795 befragten Berufstätigen setzt knapp jeder Sechste auf „Schatten-KI“: private Tools, öffentliche Chatbots, der Assistent vom Handy – alles, nur nicht das, was die Firma ausdrücklich erlaubt hat. Gleichzeitig verzichten 42 Prozent komplett auf künstliche Intelligenz. Nicht aus Prinzip, sondern weil ihnen entweder die Regeln fehlen oder sie den Ergebnissen nicht über den Weg trauen.

„Der KI-Einsatz im Job schreitet schneller voran, als Arbeitgeber mithalten können“, sagt Robert Kaup, Geschäftsführer des Tech-Consultants Tieto Austria. „Beschäftigte wollen ihre gewohnte private KI-Nutzung auch beruflich einsetzen, um produktiver zu arbeiten. Doch bei den technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen hinken heimische Unternehmen hinterher.“

Kein Regelwerk, kein Vertrauen
Das Gefälle zwischen Wohnzimmer und Büro erklärt einen guten Teil der Abstinenz: 24 Prozent der Berufstätigen lassen KI links liegen, weil im Unternehmen schlicht keine klaren Richtlinien existieren. Weitere 18 Prozent misstrauen der Qualität – sie wollen sich nicht auf Antworten verlassen, deren Herkunft niemand prüft.

Genau dieses Vakuum nährt die Schattenwirtschaft. Wer produktiv sein will und keine offizielle Lösung bekommt, nimmt halt das, was er privat schon kennt. Besonders junge Beschäftigte zwischen 16 und 29 Jahren (24 Prozent) gehen diesen Weg. Regional sticht das Burgenland heraus: Dort nutzen 27 Prozent unerlaubt KI-Tools. In Salzburg sind es nur 10 Prozent.

„Schatten-KI ist ein Damoklesschwert für Unternehmen: Sie treibt die Produktivität, riskiert aber Datenschutzverletzungen, sobald Mitarbeitende vertrauliche Firmendaten in öffentliche KI-Plattformen eingeben. Wer jetzt keine klaren Regeln schafft, verliert die Kontrolle.“
— Robert Kaup, Geschäftsführer Tieto Austria


Jeder fünfte Chef zuckt mit den Schultern
Tieto hat parallel 100 KI-Verantwortliche in Mittel- und Großunternehmen (ab 250 bzw. 500 Mitarbeitenden) befragt. Das Bild ist nicht weniger ernüchternd: 62 Prozent setzen auf Prävention – Richtlinien, genehmigte Tools, Schulungen. Aber 19 Prozent akzeptieren bewusst ein Restrisiko und lassen die Schatten-KI gewähren. Technische Kontrolle, ob jemand unerlaubte Tools nutzt, betreiben nur 46 Prozent.
Übersetzt: Fast jeder zweite Betrieb schaut nicht einmal nach. Und jeder fünfte findet das Risiko offenbar günstiger als die Mühe, einen sauberen Rahmen zu bauen.

Burgenland voraus, Salzburg und Kärnten hinten
Trotz aller Hürden ist KI in österreichischen Büros keine Zukunftsmusik mehr. 23 Prozent nutzen ausschließlich vom Arbeitgeber freigegebene Assistenten. Zusammen mit der Schatten-KI kommt man auf rund 40 Prozent Nutzerinnen und Nutzer – Männer (44 Prozent) häufiger als Frauen (36 Prozent).

Die Landkarte ist grob ungleich. Im Burgenland greifen zwei Drittel (66 Prozent) der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu KI-Assistenten. In Salzburg und Kärnten ist es nur etwa ein Drittel (je 34 Prozent). Bildung wirkt wie ein Turbo: Ohne Matura nutzen 31 Prozent KI, mit Matura rund 53 Prozent, unter Studienabsolventinnen und -absolventen rund 66 Prozent.

Kaup zieht daraus eine klare Forderung: „KI-Assistenten sind in Österreichs Betrieben angekommen – aber oft durch die Hintertür. Das ist ein Warnsignal. Beschäftigte brauchen klare Richtlinien, genehmigte KI-Tools und gezielten Kompetenzaufbau. Nur so wird KI zum Produktivitätsfaktor statt zum unkontrollierten Risiko.“

DIE ZAHLEN AUF EINEN BLICK
17 % nutzen KI heimlich („Schatten-KI“)
23 % setzen ausschließlich auf genehmigte Tools
42 % verzichten komplett auf KI
19 % der Arbeitgeber akzeptieren das Restrisiko bewusst
46 % kontrollieren technisch, ob unerlaubte Tools laufen
66 % KI-Nutzung im Burgenland – 34 % in Salzburg und Kärnten

Zur Studie. Tieto Austria und TQS Research & Consulting haben im März 2026 per CAWI (Computer Assisted Web Interviews) 1.000 Österreicherinnen und Österreicher repräsentativ nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildung befragt, darunter 795 Berufstätige. Ergänzend wurden 100 KI-Verantwortliche in mittleren und großen Unternehmen interviewt.

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