Ausgabe 2026/09

15.09.2026

„Nicht jeder mit blauem Hut ist ein FPÖler“

Foto: dbn

„Nicht jeder mit blauem Hut ist ein FPÖler“

Nach Buhrufen beim Altausseer Kirtag und der Einschaltung der FIMI-Arbeitsgruppe verschärft FPÖ-Generalsekretär Schnedlitz die Attacke auf Außenministerin Meinl-Reisinger. Er fordert Transparenz über die Kosten des Auftritts – und hält an der Rücktrittsforderung fest.

Wien. Der Streit um den Auftritt von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) beim Altausseer Kirtag eskaliert weiter. FPÖ-Generalsekretär und Heimatschutzsprecher Michael Schnedlitz hat am Dienstag seine Kritik verschärft und der Ministerin vorgeworfen, Kritik reflexartig anderen in die Schuhe zu schieben – einmal Russland, einmal der FPÖ.

Anlass sind zwei Vorgänge der vergangenen Tage: Zuerst hatte Meinl-Reisinger nach hunderten kritischen Social-Media-Kommentaren eine mögliche russische Einflussnahme vermutet und die im Bundeskanzleramt angesiedelte FIMI-Arbeitsgruppe eingeschaltet. FIMI steht für Foreign Information Manipulation and Interference, also ausländische Informationsmanipulation. Wenig später sprach sie nach Buhrufen im Altausseer Bierzelt von einer „Störaktion einer Handvoll FPÖler“.

Blaue Hüte, falsche Adresse?
Genau diese Darstellung weist Schnedlitz als falsch zurück. Eine anwesende, rund 50-köpfige Poltergruppe mit blauen Hüten habe die Ministerin zu „falschen Anschuldigungen und unwahren Behauptungen“ verleitet. Nicht jeder mit einem blauen Kleidungsstück sei ein FPÖ-Funktionär.
„Ich würde ihr jetzt nicht bloße Oberflächlichkeit unterstellen, aber nicht jeder mit einem blauen Kleidungsstück ist ein FPÖ-Funktionär. Die Welt ist etwas komplexer, deshalb macht mir das komische Denkmuster der Außenministerin, von der man eigentlich Weitblick und Differenzierungsvermögen erwarten würde, durchaus Sorgen. Ich warte ja nur noch darauf, dass sie behauptet, man habe bei Putin einen FPÖ-Ausweis gefunden.“
— Michael Schnedlitz

Medienberichten zufolge hatte eine Poltergruppe aus Oberösterreich beim Kirtag blaue Hüte getragen. Teilnehmer widersprachen später der Darstellung, die Buhrufe seien eine orchestrierte FPÖ-Aktion gewesen. Videos aus dem Festzelt hatten sich zuvor rasch verbreitet; Meinl-Reisinger selbst hatte die Störaktion als gescheitert bezeichnet und der FPÖ vorgeworfen, provozieren, polarisieren und spalten zu wollen.

„Das Problem heißt Meinl-Reisinger“
Schnedlitz zieht aus beiden Episoden denselben Schluss: Die Ministerin weigere sich, Ablehnung der eigenen Politik zur Kenntnis zu nehmen.

„Wenn man bei kritischen Kommentaren im Internet sofort die Russen vermutet und bei Pfiffen im Bierzelt gleich die FPÖ verantwortlich macht, sollte man sich vielleicht irgendwann die einfachste Erklärung ansehen: Nicht die Russen oder die FPÖ sind das Problem von Beate Meinl-Reisinger, sondern Beate Meinl-Reisinger selbst.“
— Michael Schnedlitz

Wer mit solchen Anschuldigungen um sich werfe, weil er nicht wahrhaben wolle, dass die eigene Politik auf Ablehnung stoße, habe als Außenministerin „ein massives Glaubwürdigkeitsproblem“.

Rücktritt und parlamentarische Anfrage
Die bereits zuvor erhobene Rücktrittsforderung bleibt laut Schnedlitz aufrecht. Wer über den politischen Gegner Desinformation verbreite und zugleich die Neutralität Österreichs beschädige, müsse Konsequenzen ziehen. Als Beleg für parteiinterne Unruhe verwies er auf öffentliche Kritik von NEOS-Gründer Matthias Strolz an seiner ehemaligen Partei und an der Kommunikation mit Meinl-Reisinger.

„Vielleicht sollte sie sich selbst einen Gefallen tun und den Hut nehmen. Vielleicht schenkt ihr ja einer der Polterer aus dem Ausseerland seinen blauen Hut – ein kleiner Schritt für die Außenministerin, aber aus unserer Sicht eine große Erleichterung für Österreich.“
— Michael Schnedlitz

Vor einem möglichen Rücktritt müsse Meinl-Reisinger volle Transparenz über den Kirtags-Auftritt und dessen Nachspiel herstellen. Die FPÖ kündigt eine parlamentarische Anfrage an.

„Sollte auch nur ein Cent Steuergeld für diesen Kirtags-Ausflug angefallen sein, wollen die Österreicher wissen, wofür: Dienstwagen, Fahrer, Mitarbeiter, Security, Fotografen, Nächtigungen oder sonstige Spesen. Nach den Buhrufen, den falschen FPÖ-Anschuldigungen und dem öffentlichen Nachspiel muss die Außenministerin jeden einzelnen Euro offenlegen.“
— Michael Schnedlitz

Eine Stellungnahme der Außenministerin zu den neuesten Vorwürfen lag am Dienstagabend nicht vor. Meinl-Reisinger hatte den Kirtag selbst als großteils gelungenes Volksfest beschrieben und betont, sich die Stimmung nicht habe verderben zu lassen.

Hintergrund. Beim Altausseer Kirtag Anfang September 2026 kam es während einer kurzen Ansprache Meinl-Reisingers im Bierzelt zu Pfiffen und Buhrufen. Die Ministerin rief ins Publikum, man solle aufhören, und setzte ihre Rede fort. Kurz zuvor hatte sie nach einer Welle kritischer Online-Kommentare die FIMI-Stelle im Kanzleramt eingeschaltet. Die FPÖ bestreitet eine orchestrierte Störaktion und spricht von einer Verwechslung mit einer Poltergruppe.

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