Ausgabe 2026/10

14.10.2026

Made in Europe: „Wo unsere Steuern drinnen sind, muss Europa drinnen sein“

Foto: dbn ki-generiert

Made in Europe: „Wo unsere Steuern drinnen sind, muss Europa drinnen sein“

Mit der Unterzeichnung der „Made in Europe“-Deklaration hat die Bundesregierung einen weiteren Schritt in Richtung aktiver Industriepolitik gesetzt. Reinhold Binder, Bundesvorsitzender der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, begrüßt das Bekenntnis von öffentlicher Hand und staatsnahen Unternehmen, bei Vergaben künftig stärker auf europäische Wertschöpfung zu achten. Der Ton des Gewerkschafters fällt dabei ungewöhnlich klar aus.

„Wo unsere Steuern drinnen sind, muss Europa drinnen sein“, sagte Binder. Bei öffentlichen Investitionen dürfe nicht länger allein der Preis entscheiden. Heimische Beschäftigung und die Sicherung des Standorts müssten im Vordergrund stehen. Die PRO-GE drängt schon länger auf eine konsequente Umsetzung des Made-in-Europe-Prinzips. Nur so ließen sich wichtige Industriezweige stützen und die Abhängigkeit von Lieferanten aus Drittstaaten reduzieren.

Binder lässt dabei keinen Zweifel an der geopolitischen Einschätzung: „Wir sehen, dass Staaten wie die USA oder China keine fairen Handelspartner mehr für die EU sind. Deshalb ist es umso wichtiger, die eigene Produktion zu stützen und den europäischen Industriestandort abzusichern.“ Die Aussage ist eine deutliche Absage an die Illusion, man könne sich weiter auf offene Märkte und günstige Importe verlassen, während andere Regionen gezielt ihre Industrie schützen und subventionieren.

Positiv bewertet Binder die aktuelle Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO, das von einer Stimmungsaufhellung in der Industrie spricht. Die Branche garantiere viele hochwertige Arbeitsplätze und sei eine tragende Säule des Wohlstands. „Die Bundesregierung hat verstanden, dass eine aktive Industriepolitik notwendig ist, um Beschäftigung langfristig zu sichern und Innovation voranzutreiben. Dieser Weg muss konsequent weitergegangen werden“, betonte der Gewerkschaftsvorsitzende.

Die Deklaration ist damit mehr als ein symbolischer Akt. Sie markiert den Versuch, öffentliche Gelder wieder stärker an europäische Interessen zu koppeln – statt sie weiter als Hebel für globale Preiswettbewerbe zu nutzen. Ob daraus tatsächlich eine wirksame Standortpolitik wird, hängt davon ab, wie ernst die Umsetzung genommen wird. Die PRO-GE hat ihren Anspruch jedenfalls klar formuliert.

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