12.10.2026
Foto: dbn KI generiert
Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) hat sich gegen eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters ausgesprochen, solange die Beschäftigung älterer Menschen nicht ausreichend gesichert sei. Anlass sind Aussagen des AMS-Chefs Johannes Kopf in der ORF-Pressestunde. PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer betonte, man müsse zuerst dafür sorgen, dass Menschen überhaupt bis zum bestehenden Pensionsalter einen Arbeitsplatz haben, bevor über ein höheres Alter diskutiert werde.
Als Beleg verwies sie auf Zahlen des Arbeitsmarktservice. Durch die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters seien laut AMS rund 58.000 Frauen über 60 zusätzlich in Beschäftigung gekommen. Gleichzeitig sei die Zahl der arbeitslosen Frauen in dieser Altersgruppe um 7.500 gestiegen. Gerstorfer relativierte die Größenordnung der Arbeitslosigkeit nicht, sondern hob die individuellen Folgen hervor: Hinter jeder Zahl stehe eine Frau, die ihren Arbeitsplatz verloren habe, Einkommen verliere und im schlimmsten Fall bis zur Pension arbeitslos bleibe oder lebenslange Abschläge hinnehmen müsse. Für die Betroffenen sei dies keine statistische Randgröße, sondern eine existenzielle Frage.
Bonus-Malus-Modelle in Vorbereitung
Gemeinsam mit Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec und Christine Mayrhuber, Vorsitzende der Alterssicherungskommission, will Gerstorfer deshalb vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) konkrete Bonus-Malus-Modelle für Unternehmen wissenschaftlich ausarbeiten lassen. Die Grundidee: Betriebe, die viele ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen, im Unternehmen halten oder neu einstellen, sollen profitieren. Unternehmen, die deutlich weniger Ältere beschäftigen, sollen stärker in die Verantwortung genommen werden. Das Modell soll aufkommensneutral gestaltet werden.
„Wer verlangt, dass Menschen länger arbeiten, muss zuerst dafür sorgen, dass Unternehmen sie auch länger arbeiten lassen“, sagte Gerstorfer. Man wolle der Politik dafür konkrete, durchgerechnete Modelle vorlegen.
Vertrauen in das Pensionssystem als Voraussetzung
Zudem warnte die PVÖ-Präsidentin davor, durch permanente Debatten über ein höheres Pensionsalter das Vertrauen in das gesetzliche Pensionssystem zu beschädigen. Menschen müssten darauf vertrauen können, dass sich jahrzehntelange Arbeit und Beitragszahlung auszahlen. Dieses Vertrauen sei auch für den Arbeitsmarkt entscheidend: Warum sollten Menschen Vollzeit arbeiten und volle Beiträge zahlen, wenn ihnen gleichzeitig ständig vermittelt werde, ihre Pension sei unsicher?
Gerstorfer fasste die Position abschließend so zusammen: Die Reihenfolge müsse stimmen – erst Arbeitsplätze für Ältere, dann über längeres Arbeiten reden. Mathematik beginne am Arbeitsmarkt, aber hinter jeder Zahl stehe ein Mensch.